Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1888)
- Date
- 1888-06-01
- Page
- Seite 137 (sequence 17)
- Language
- German
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137 chemischen Fachangelegenheiten und erfreute sich großer Beliebtheit auch bei seinen Arbeitern, die seinen Tot beklagen. — Am 8. April starb in Halle der Professor an der dortigen theologischen Fakultät Herr Eduard Carl August Niehm, auch in jüdischen Gelehrtenkreisen durch sein biblisches Reallexicon bekannt. — In Dresden-Vlasewih starb Herr Dr. Morih LSwenthal, früher Prediger an der Tempelgemeinde in Lemberg. Er trat auch früher als theologischer Schriftsteller mit Erfolg auf. Sein Werk „Philosophie des Talmud* erregte Aufsehen. — In Baumholder wurde die sterbliche Hülle des Herrn Cmanuel Entmann zur letzten Ruhe geleitet. Er war ein Kenner und Förderer der jüdischen Litteratur und beteiligte sich lebhaft in Wort und Schrift an den Kämpfen um die Emancipation der Inden in Preußen. Herr Rabbiner Dr. fllumenllein aus Luxemburg, ein Neffe des Verstorbenen, widmete ihm einen warmen Nachruf. — Am 15. April wurde das deutsch-israelitische Kinderheim in Dich feierlich eröffnet. Die Festrede hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Kopfstein aus Bad-Ems. — Der israel- Unterstützungsverein in Worms hat im abgelaufenen Jahre 2505 Mk. 90 Pf. verausgabt. Hiervon entfielen 229 Mk. 80 Pf. auf heimische und das Uebrige auf durchziehende Arme. — Am 2. Mai veranstaltete die jüdische Gemeinde in Berlin in der neuen Synagoge einen musikalischen Abend zu Gunsten der Ueberschwemmten- — Zur Unterstützung von „Studierenden der jüdischen Theologie" wurde in Strastburg der Staatsbeitrag um 1600 Mark erhöht. — In Berlin ist ein Verein der „Freunde der Taubstummen" ins Leben getreten, der einen Aufruf zur Errichtung einer „jüdischen Taubstummen-Anstalt für Deutschland" erlassen hat. Bei Juden fällt auf 675 Seelen schon ein Taubstummer, im Ganzen zählt Deutschland 840, darunter 160 schulpflichtige Taubstumme. — Das Mädchenstift in Frankfurt a. M. hat seinen elften Jahresbericht ausgegeben. Die Einnahmen bestehend aus Geschenken, Zinsen, Mitgliederbeiträgen, Pensionsgeldern, betrugen zusammen 14285 Mk., die Ausgaben 17,147 Mark. Durchschnittlich betrug die Zahl der Zöglinge 24. Es wäre zu wünschen, daß diesem schönen Institute mehr Geldgeschenke zugewiesen werden möchten. Man müßte sich sonst, was sehr zu bedauern wäre, veranlaßt sehen, von Seiten der Verwaltung die Zahl der unentgeltlichen Aufnahmen zu beschränken. — Herr Professor Otto Noquette in Darmstadt hat ein Schauspiel „Lanzelot" in fünf Akten geschrieben, in welchem auch ein Jude Iisachar aus Frankfurt a. M. zu den Hauptpersonen gehört, der an den Lessing'schen Nathan erinnert. — Im Museum zu Dresden befindet sich ein Modell des Salomonischen Tempels aus dem Jahre 1732. an welchem der Meister bei einem hiezu verwendeten Kostenaufwande von 50,000 Thalern zwölf Jahre gearbeitet haben soll. — In antisemitischen Kreisen hat die Verleihung des schwarzen Adlerordens an den Justizminister Dr. v. Iriedberg und an den Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simson, da beide von jüdischer Abstammung sind, zu vielen Bemerkungen Anlaß gegeben. — Am 30. März hielt Herr Prediger Pohl in einer Arbeiterversammlung in Leipzig einen Vortrag über die Judenfrage. Er betonte daß die Arbeiter viel auf das Judentum halten müßten, den Antisemitismus bezeichnete er als ein Gebühren des Neides, der darum unchristlich sei. — In Marburg wurde am 25. April in Sachen des Lehrers Herrn Jenner beim Landgerichte verhandelt, welcher in einer von Dr. Böckel veranlaßten antisemitischen Volkversammlung am 5. December 1886 Folgendes aussprach: „Ueber die Meinung, es gäbe auch ehrliche Juden, denke ich folgendermaßen. Die Meisten von Ihnen werden anerkennen, daß der Talmud das Gesetzbuch der Juden ist und daß in demselben geschrieben steht: „Das Gell