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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-06-01 · Heft 6 (1.6.1888) · p. Seite 135

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 6 (1.6.1888)
Date
1888-06-01
Page
Seite 135 (sequence 15)
Language
German
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135 11. „R. Josua sagt: Mißgunst, Leidenschaft und Menschenhaß schaffen den Menschen aus der Welt." Dieser Spruch scheint die Stimmung zu reflektiren, welche in den Tagen des R. Josua b. Chananja die weiten Schichten des Landvolkes (Ain Haarez) beherrschte. Dieses war von giftigem Hasse gegen die Schriftgelehrten zu Jabneh beseelt, wohl weil es in seiner national-patriotischen Leidenschaft ungern gesehen hatte, daß sich dieselben (niit der fingierten Leiche des R. Jochanan b. Sackai) aus der belagerten Hauptstadt geflüchtet und dann unter dem Schutze der Römer ein Lehrhaus errichteten und tu Ruhe, scheinbar glücklich lebten, während es selber durch den Krieg, sowie durch die Zerstörung des nationalen Daseins sehr geschädigt und schwer heimgesucht war, an Aeckern und Land viel Einbuße erlitten hatte. Vielleicht daß sie jene Schriftgelehrten gar als Verräter ansahen und darum von solchem Hasse gegen sie erfüllt waren, daß beispielsweise R. Elieser von ihnen sagt: „Wenn sie uns nicht für ihr Geschäftsinteresse nötig hätten, so würden sie uns tobten," und R. Akiba: „Als ich noch zum unwissenden Landvolk gehörte, dachte ich: wenn ich nur einen Gelehrten vor mir hätte, ich würde ihn beißen wie ein Esel" (Pesachim 49b. vgl. Rosenthal, F. Vier apokryphische Bücher S. 25). 12. „R. Jose sagt: Wert sei dir das Vermögen deines Genossen wie das deinige; bereite dich, Tora zu lernen, denn sie wird dir nicht zum Erbe; und alle deine Handlungen seien für Gott." Zu den Eigentünilichkeiten des Christentums auf der Stufe seiner ersten Entwickelung gehörte die den Essäern entlehnte Einführung einer allgemeinen Armut, die Verwerfung des Reichtums und die Geltendmachung des Kommunismus. Gegen diesen Grundsatz scheint das erste Wort dieses Spruches sich zu wenden, wie denn wohl R. Jose mit den anderen Worten das Studium der Tora, die Wirksamkeit für Gott fordert, damit dadurch dem sich ausbreitenden Christentume entgegengetreten werden könnte. 13. R. Simon sagt: Habe Acht auf das Lesen des Schema und auf die Thefilla; so du betest, mache dein Gebet nicht zur Satzung, sondern zum Erbarmen und Flehen vor Gott, denn es heißt (Joel 2, 13): Denn gnädig und barmherzig ist er, langmütig und reich an Gnade, und er läßt sich's gereuen wegen des Unglücks; und werde nicht zum Frevler gegen dich selber." Nach der Zerstörung des staatlichen Daseins wurde für die früher dargebrachten Opfer Ersatz in der Festsetzung von Gebeten uttb Gebetszeiten gefunden. Gamliel II. hat auch nach dieser Seite hin seine Sorgfalt gerichtet. Aber wie so oft fand er auch bei dieser Einführung seine Gegner, besonders in R. Elieser, welcher (Ber. 4, 4) sich gegen die neue Feststellung sträubte. R. Simon vermittelt wohl beide Meinungen, indem er der Feststellung zustimmt, aber doch selbst das bestimmte Gebet, das zur bestimmten Zeit zu verrichtende Gebet mit Herz und Sinn verrichtet wissen will, da man sonst ja des Schatzes innerer Erhebung verlustig gienge und zum Frevler würde gegen sich selber. 14. „R. Elasar sagt: Sei eifrig bestrebt, Tora zu lernen; wisse, was du dein Freidenker erwiderst; und wisse, vor wem du dich mühest, und wer deiner Arbeit Herr ist, der dir den Lohn deiner Thätigkeit bezahlen wird." War schon im Allgemeinen in dieser Zeit das Torastudium der Lebensnerv des Judentums, so hatte dasselbe auch noch darin seinen besonderen Zweck, dem namentlich in der römischen Kaiserzeit zu einer Philosophie des Lebensgenusses

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