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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-06-01 · Heft 6 (1.6.1888) · p. Seite 132

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 6 (1.6.1888)
Date
1888-06-01
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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132 sinaitische Gotteserscheinung übertragen, so wäre es immer nur ein Doppelstrahl, der, von Gott auf Moses geworfen, von dessen Antlitz wiederleuchtete, aber es wären nicht zwei Strahlenbüschel, die wie zwei Hörner seinem Kopfe entströmen. Strahlen sind aber keine Hörner, sondern werden nur im dichterischen Bilde so genannt. Die Bibel erzählt von Moses: „Die Haut seines Angesichts leuchtete" > warf Strahlen), d. h. war von göttlichem Lichtglanze und Heiligenschein umflossen. Moses aber nun in der einen oder anderen Weise mit Hörnern (Tierhörnern oder hörnerartigen Strahlenbüscheln) darstellen, beruht auf Mißverständnis oder Mißdeutung, ist entschieden falsche, christliche und antijüdische Auffassung. R.-A. Itavius Josephus und die heilige Schrift. Bon Di-, Vogelstein in Stettin. (Fortsetzung.) Sehr zahlreiche Jrrtümer und Widersprüche finden sich bei Josephus hinsichtlich der Zeitrechnungen; er folgt nämlich verschiedenen Aeren, und darum kommt kein einheitliches chronologisches System, das eine feste Basis für die Berechnungen darböte, zu Stande; er benutzt die biblischen Angaben nach dem Auszuge aus Egypten, und dem Tempelbau, dann wieder nimmt er die von den Hellenisten acceptirten Berechnungen an, bestimmt hie und da Zeitfolge auch nach den Lyrischen Jahrbüchern und erschwert hierdurch ungemein die genaue Fixirung irgend eines Ereignisses. Manche Fehler und Verwechslungen in seinem Werke sind nach meinem Dafürhalten nur dadurch zu erklären, daß er sich in dem Wirrwar der einander nicht entsprechenden Zeittafeln nicht zurecht zufinden wußte. Als Probe der traditionellen Exegese, wie sie in Palästina üblich war, füge ich zum Schluffe die sagenhaft ausgeschmückte Erzählung von der Geburt und den Heldenthaten Moses an, die er vor seiner Berufung zum Befreier und Propheten Israels ausgeführt hat, und einige Legenden über David und Salomon und bemerke hierbei, daß Josephus der für diese Erzählungen keine schriftlichen Aufzeichnungen besaß, sondern dieselben nur aus dem Gedächtnisse niederschrieb, nicht in allen Punkten mit den in den späteren jüdischen Traditionsschriften Überlieferten übereinstimmt. Aber wie leicht konnte der dem Greisenalter nahe Mann manches vergessen haben, was er in seiner Jugend erfahren, und worüber sich auszusprechen und genauer zu unterrichten er in Rom fast gar keine Gelegenheit hatte, da sein dortiger Umgangskreis fast nur aus vornehmen Römern bestand; an eine absichtliche und willkürliche Fälschung braucht man darum noch nicht zu denken. Einer der Schriftgelehrten Egyptens hatte dem Könige Pharao geweissagt, es werde um jene Zeit unter den Hebräern ein Knabe geboren werden, der, wenn er herangewachsen sei, die Herrschaft des Egypters stürzen, die Israeliten dagegen zu einem mächtigen Volke erheben werde, durch seine Tugenden werde er über andere Menschen weit hervorragen und ein ruhmvolles Andenken hinterlassen. Der König, hierdurch erschreckt, erließ den bekannten Befehl, alle neugeborenen israeliti. schen Knaben in den Nil zu werfen. Aber des Königs Tochter Thermutis findet im Flusse ein Kästchen, in welchem ein Knabe lag, den sie, weil er so stark und schön war, überaus lieb

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