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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-06-01 · Heft 6 (1.6.1888) · p. Seite 129

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 6 (1.6.1888)
Date
1888-06-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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129 Meine Herren! Obzwar der D. I. Gemeinde-Bund bereits 350 Gemeinden niit ca. 270000 Seelen, also über die Hälfte der deutschen Juden, umfaßt, so hat er noch immer nicht die Ausdehnung gewonnen, die ihm gebührt. Er hat erst dann sein Ziel erreicht, wenn alle einzelnen Gemeinden in Deutschland an seinen Bestrebungen teilnehmen, nicht nur durch Beitritt, sondern auch durch Mitarbeiterschaft. Helfen wir, meine Herren, dem Bunde in unseren Kreisen die Wege bahnen, fordern wir auf, ihn materiell durch Mitgliedschaft und geistig durch Mitarbeiterschaft zu stützen. Hoffen wir, daß die Bundesgemeinde Frankfurt a. M., die früher immer die erste war, wo es galt für Hebung von Bildung unter unseren Glaubensgenossen aufzutreten, auch die Bestrebungen des Gemeinde- Bundes fortan kräftig stützen wird und daß, wenn der Bund uns durch Berufung des nächsten Gemeindetages nach hier ehren sollte, die Mitglieder der hiesigen Gemeindevertretung, die Vereine und deren Verwaltungen, sowie einzelne Mitglieder mit einander wetteifern werden, ihm einen freundlichen sympathischen Empfang zu bereiten und ihm in der Entfaltung seiner segensreichen Thätigkeit zur Seite zu stehen. Moses im Mkde. Der Gegenstand unserer Besprechung ist die bildliche Darstellung von Moses in Grätz' „Volktümliche Geschichte re." Wir schreiben keine Kritik dieses Buches, wir empfehlen es im Interesse des Volks, das jüdische Geschichte kennen lernen will und soll. Denn die Schreibweise erinnert an Renan's leicht fließende Lektüre; das Buch liest sich wie ein Roman. So will es das Volk, das amüsiert und unterhalten sein will, selbst wenn es denken und ideal begeistert werden soll. Uns fesselt zunächst die Titel-Vignette, Mosens Bild. Es geht uns nicht wie jenem Talmud lernenden Jüngling, der beim Beginn seines Studiums sich in das Titelbild vertiefte und über den Grund nachforschte, warum auf demselben Moses ohne Kopfbedeckung und Ahron mit einer solchen abgebildet seien. Unsere Frage ist ernster. Wir haben hier Moses nicht in gewohnter Darstellung in aufrechter Gestalt mit dem Stabe in der Hand, mit den zwei Gesetzestafeln in Plattenform im Arme und mit den zwei Strahlenbüscheln auf dem Kopfe. Wäre die Darstellung so, wir hätten sie nicht gebilligt, aber nichts auffälliges darin gefunden, denn wir sind an diese Auffassung auch jüdischerseits gewöhnt, obwohl sie irrig ist. Hier haben wir vielmehr die Darstellung von Moses nach der Auffassung von Michel Angelo sitzend, mit zwei Tafeln in Buchform unter dem Arme, ohne Stab, mit gewaltigem Bart und mit der einen Hand verzweifelnd oder zornig hineingreifend. In der That: „zornig", denn das Original in Rom trägt wirklich den Ausdruck des Zornes im Gesicht und hat den Moment im Auge, wo Moses, vom Berg Sinai herabkommend, die Entartung seines Volks gewahrt und in Zorn und Verzweiflung sinnt und grübelt über das, was nun werden und geschehen solle. Michel Angelo hatte nämlich vom Papst Julius II. den Auftrag erhalten, für ihn das Grabmal zu meißeln, uub zwar der Art, daß auf deniselben die zwei Gestalten Moses und Paulus sich gegennüberständen, als Repräsentanten

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