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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-06-01 · Heft 6 (1.6.1888) · p. Seite 126

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 6 (1.6.1888)
Date
1888-06-01
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 Jugendgottesdienste sind Bedürfnisse, deren Erfüllung mit Ernst und Eifer angestrebt und ausgeführt werden muß, und ivenn irgendwo sich eine Stätte findet, wo derartige Bestrebungen Aufmunterung, Unterstützung und Förderung finden, so ist es der D. I. Gemeinde-Bund in Berlin. Ich war Zeuge der warmen Teilnahme, die derartige Bestrebungen beim Delegiertentage am 19. und beim fünften ordentlichen Gemeindetage am 20. Februar gefunden und kann Sie versichern, daß wir voll Hoffnung lind Zuversicht auf den Bund blicken dürfen, von dem, wenn er kräftige Unterstützung findet, dem Judentum Heil und Segen, ersprießen wird. Der Gemeinde-Bund will den Lehrerstand auf dem Lande heben.' Sie kennen ja alle, meine Herren, die mehr oder weniger traurige Lage der armen Landlehrer, dieser modernen Nomaden, die unter der Ungunst der Verhältnisse und Zustände, die in den kleinen jüdischen Gemeinden herrschen, sehr zu leiden haben. Den Lehrern muß man geistig und materiell aufhelfen, denn „wo kein Brod, dort ist auch keine Lehre." Ich könnte über diesen Punkt aus meinen eigenen Erfahrungen Ihnen gar vieles mitteilen, doch will ich mir lieber hierüber für heute Schweigen auferlege». Der D. I. Gemeinde-Bund, welcher aus der unter seiner Leitung stehenden Herxheimer-Stiftuug unbemittelte israelitische Jünglinge, welche Lehrerbildungsanstalten besuchen, unterstützt, betrachtet es als seine Aufgabe, zunächst ein gleichmäßiges System der definitiven Anstellung und Pensionierung der Gemeindebeamten anzustreben und im Todesfälle für deren Hinterbliebenen zu sorgen. In Amerika ist, wie mir jüngst berichtet wurde, die Einrichtung getroffen, daß die jüdischen Beamten durch ihre Gemeinden in eine Lebensversicherung bei Amtsantritt eingekauft werden und dadurch ist das Pensionierungswesen und die Fürsorge für die Hinterbliebenen der Beamten daselbst mit Leichtigkeit geregelt. Bei uns hier zu Laude bleibt dem D. I. Gemeinde- Bunde das Verdienst, Aehnliches mit Erfolg angestrebt zu haben. Aus Anlaß der silbernen Hochzeit unseres erlauchten Kaiserpaares am 25. Januar 1883 rief er die Friedrich-Wilhelm-Viktoria-Stiftung, eine Zentral-Versicherungs- und Pensionskasse für Genieindebeamte, ins Leben. Mit Hülfe dieser Stiftung sind bereits nahezu 200 Lehrer mit circa 700000 Mark bei der „Victoria" versichert, mit welcher großen und angesehenen Gesellschaft der Bund unter dem 28. November 1882 einen Vertrag abgeschlossen hat, der sowohl den durch Vermittlung und Unterstützung des Bundes versicherten Beamten als auch der Pensionskasse des Bundes ganz besondere Vergünstigungen gewährt. Ich will nur noch hervorheben, daß von der „Viktoria" aus in Frankfurt a. M. perfekt gewordenen Lebensversicherungen bis zum 1. März 1888 allein an den D. I. Gemeinde-Bund als Provision über 5000 Mark bezahlt worden sind, aus dessen Mitteln auch Lehrer in die bestehenden Vereine, wie die „Achawa" ujtb andere eingekauft werden. Im Ganzen zahlte die Victoria auf Grund des Vertrages mit dem D. I. Gemeinde-Bund an die Friedrich-Wilhelm-Viktoria-Stiftung im Jahre 1882, 679 Mk., 1883, 4876 Mk., 1884, 8604 Mk., 1885, 9081 Mk.. 1886, 7626 Mk., 1887, 11438 M. Diese Steigerung der erreichten Provision von Jahr zu Jahr ist sehr belehrend und erweckt schöne Hoffnungen. Die Selbsthilfe der Beamten ist prinzipiell in den Statuten der Stiftung ausgesprochen, doch wird beabsichtigt, daß dieselben nur ein Dritteil der Einzahlung zu leisten haben, ein zweites soll die Gemeinde, bei der der Beanite angestellt ist und ein Drittel die Bundeskasse zahlen. Uebrigens möchte ich darauf hingewiesen haben, daß der zwischen der Viktoria und dem Bunde abgeschlossene Vertrag nicht nur den Gemeindebeamten Vergünstigungen gewährt, sondern jedem jüdischen Ver-

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