Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1888)
- Date
- 1888-06-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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125 künftig zu gründenden Konsistorien Vorbehalten bleiben soll, die mit dem Gemeindebunde zusammen wirken müßten — als seine erste und oberste Thätigkeit die Fürsorge für Religionsunterricht und für Beschaffung von tüchtig durchbildeten Religionslehrern. Hier muß kräftig Hand ans Werk gelebt werden, denn darin sind alle einig, daß es so wie es jetzt mit dem Religionsunterrichte unserer Jugend in Deutschland bestellt ist, fürder nicht bleiben kann und darf. Der Mangel religiöser Erziehung birgt unberechenbare Gefahren in sich. Hier müssen die Gemeindevorstände mithelfend eingreifen, nicht aber zusehen und sich zurückziehen, oder die Eltern, deren Kinder diesen Unterricht entbehren. Sie werden dies alle lebhaft Mitempfinden und auch hier in Frankfurt a. M. müßte darin noch vieles geschehen, denn in den zwei hiesigen Gymnasien wächst die Jugend ohne religiöse Belehrung ins Leben hinein und das soll einst den Stamm unserer Intelligenz abgeben, daher sollen die Männer kommen, die das Judentum geistig zu vertreten im Stande sein sollen. Wer will sie alle zählen, die ohne jede religiöse Erziehung wild ins Leben hinauswachsen und dann dem Jndifferentismus und Materialismus, die gerade in den Städten grassieren, Heeresfolge leisten? Ja, es ist eine traurige Thatsache, daß gerade akademisch gebildete Herren, die eine ausgezeichnete Fachbildung und sonstige hervorragende Kenntnisse besitzen — wenige Ausnahmen abgerechnet — in Bezug auf das Judentum mit einer Unwissenheit geschlagen sind, für die in anderen Religionskreisen keine Parallele zu finden ist, ja daß sie an ihr Judentum erst erinnert werden durch den Kampf, dem dasselbe in der Gegenwart ausgesetzt ist und dem sie, weil ungerüstet dastehend, nicht zu begegnen im Stande sind. Ja es muß im Willen und im Interesse auch des Staates gelegen sein, daß die Jugend in der Religion unterrichtet werde und ein gemeinsames energisches Eingreifen unter Hinweis auf die klar liegenden Uebelstände wird gewiß von Erfolg gekrönt sein. Wenden wir uns von der Stadt zum Lande. Im Dezember 1882 hielt ein verehrtes Mitglied in unserem Mendelssohn-Verein einen Vortrag über den jüdischen Religionsuntericht auf dem Lande'). Er wies darauf hin, wie in den kleinsten christlichen Dorfgemeinden ein systematisch geordneter Religionsunterricht erteilt werde und betonte es, welche große Verantwortung wir für den kulturellen Zustand unserer Brüder auf dem Lande .haben, weil der ungebildete Jude als Typus für die ganze Nation angesehen werde. Er machte es damals unfern Reichen zum Vorwurfe, daß sie bei augenblicklicher körperlicher Not bereitwillig helfen, während die geistige Not sie kalt ließe. Er wies auf den Gustav-Adolf-Verein hin, der bis in das kleinste protestantische Dorf hinein wirke. Nun, meine Herren! Wir besitzen in dem D. I. Gemeinde-Bund einen Verein, der all das anstrebt und verwirklichen will, treten wir demselben bei, unterstützen wir ihn2) in der Aufgabe, jährliche Geldmittel denjenigen Gemeinden zu gewähren, die aus eigener Kraft einen Religionslehrer nicht erhalten können. Ja, diese Gedanken müssen Wege finden zu edlen jüdischen Herzen, denn es sieht gar traurig auf dem Lande aus und gerade dort setzen unsere Feinde bei der unwissenden Menge durch allerlei der Oeffentlichkeit sich entziehende Mittel an und die Juden der Stadt haben dann darunter zu leiden und laden dadurch Haß und Mißachtung auf sich. Meine Herren! Religionsunterricht, Fortbildungsschulen dafür und M Siehe Monatsblätter Jahrg. IL 11. V Gemeinden treten als ordentliche Mitglieder unter Zahlung eines beliebigen Jahresbeitrages bei. Personen treten als außerordentliche Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 10 Mark und darüber, als Spender mit einem beliebigen Beitrag bei.