Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-06-01 · Heft 6 (1.6.1888) · p. Seite 124

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 6 (1.6.1888)
Date
1888-06-01
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969754-2969761--2278-2972455
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

setzen in ihrer Vereinigung im Bunde, dessen Wert ja eben darin besteht, daß er die zersplitterten Kräfte der Genieinde» sammelt und sie durch Einigkeit stark macht. Wir haben hier die Großgenieinden besonders mit Namen genannt, denn ihre Aufgabe ist es zunächst den Blick auf das Ganze zu richten; sie dürfen sich solchen Bestrebungen gegenüber nicht kühl oder gar feindlich verhalten und ja nicht, wie man es wahrnimmt, sich verengen und darüber ängstlich wachen, daß sie geistig über das Niveau einer Kleingemeinde nicht hinausragen, weil mit solcher erhöhter Stellung auch ernste Pflichten Zusammenhängen, denen man sich gerne entziehen möchte und weil bei dem Lichte der Organisation manche schattenhafte Thaten nicht bestehen können. Der D. I. Gemeinde-Bund will den kleinen Gemeinden zu Hilfe kommen, indem er sie zur Mitthätigkeit an dem Werke des Ganzen heranzieht, er will sie emporheben und emportragen und sie aus der Jsolirung herausheben, die jedes gedeihliche Wirken unmöglich macht. Der Bund will die kleinen Gemeinden unterstützen in der Aufrechthaltung ihrer Institutionen, die sonst verkümmern und eingehen, und fordert dazu ihre eigene Mitthätigkeit. Was bei anderen Glaubeusgenossenschaften etwas Selbstverständliches ist, indem Staat und Kirche organisatorisch eingreifen — in jüngster Zeit hat auch die Regierung in Österreich die Regelung der dortigen jüdischen Verhältnisse mit Erfolg in die Hand genommen —, will der Bund durch freiwillige Thätigkeit erreichen, indem er das Gefühl der Einheit und Zusammengehörigkeit belebt und erhält. Die geistig und materiell Höherstehenden in unserer Mitte haben die Ehrenpflicht, zunächst ihren Brüdern in Deutschland beizustehen, damit jene Geistesschätze nicht verkümmern und untergehen, die allein unsere Ehre, unser Stolz und unsere Zierde sind. Hätte der D. I. Gemeinde-Bund nur diesen einen Gedanken angeregt und ihm Gestalt gegeben, schon dann allein hätte er Anspruch auf unfern innigsten Dank, auf unsere wärmste Teilnahme, auf unsere thätigste Mitarbeiterschaft und besonders die Reichen und Begüterten mögen sich veranlaßt sehen, denselben mit Mitteln auszurüsten, damit er die täglich wachsenden Anforderungen, die an ihn gestellt werden, auch zu befriedigen in der Lage sei. Ja unser Blick muß stets auf das Ganze gerichtet sein und den D. I. Gemeinde- Bund sollen wir als den Mittelpunkt betrachten, von welchem aus die Erhaltung und Kräftigung des Judentums und seiner Institutionen mit Erfolg durchgeführt werden kann, er soll das gemeinsame leitende Organ für die deutschen Judengemeinden sein und eine einheitliche Gestaltung des Gemeindelebens in Deutschland anbahnen helfen, damit nicht fortab jede Gemeinde ihre eigenen Wege gehe. Die einzelnen Erfahrungen, sie sollen gemeinsam nutzbar gemacht werden, dann werden wir auch bei gemeinsamem einheitlichen Zusammenwirken kräftiger nach außen auftreten und manches erreichen, was uns vereinzelt nicht gelingt, manches kräftig abwehren können, denn Einigkeit macht stark nnd nötigt selbst dem Gegner Achtung ab, während unsere Zersplitterung und Zersetzung der zuverlässigste Bundesgenosse unsrer Gegner ist. Meine Herren! Was bedeutete aber alle äußere Organisation und was nützte alle auf Einigkeit und Zusammengehörigkeit abzielende Thätigkeit, wenn der Geist des Judentums, die Quelle unseres Bestandes, der Stolz unserer Gegenwart, die Hoffnung unserer Zukunft nicht gepflegt werden würde? wir hätten dann allerdings einen Rahmen aber kein Bild, eine leere Form, der der Inhalt fehlte. Der D. I. Gemeinde-Bund betrachtet darum, obgleich er alle rituellen und kultuellen Angelegenheiten von seiner Wirksamkeit ausgeschlossen — was zu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.