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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-05-01 · Heft 5 (1.5.1888) · p. Seite 117

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 5 (1.5.1888)
Date
1888-05-01
Page
Seite 117 (sequence 21)
Language
German
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117 Zeitungen „der Reform huldigen". Gleich in der ersten Nummer, heißt es weiter, sei der „Jew. Standard" „mit Wärme für eine echt jüdische, auf Thora- Kenntnis gegründete Erziehung der Jugend" eingetreten. Das ist gewiß sehr löblich. Aber welchen Beruf dieser orthodoxe „Standard" für die Förderung einer solchen Erziehung und die Vertretung der „Prinzips des wahrhaften (!) Judentums" hat, kann man ebenfalls dem Mainzer Bericht entnehmen. Diesem zu Folge inaugurirte der englische Vertreter des „wahrhaften (!) Judentums" sein Blatt mit dem Abdruck eines dem „Israelit" entlehnten altern Feuilletons, dessen Besitz er durch eine Aenderung des Titels genügend erworben zu haben glaubte. Als Probe der „echten Thora-Kenntnis" trägt dieser orthodoxe „Standard" einen groben hebräischen orthographischen Schnitzer an der Stirne; er schreibt ,,Jesclnmm“ plene, was bei der auch keinem Anfänger im Hebräischen zweifelhaften Herleitung des Wortes von „jascliar" schon immerhin ein glänzender Beweis hebräischer Sprachkunde ist. — Aber eine Krähe hackt der andern kein Auge aus", heißt es ja wohl im Sprichwort. Der fromme Mainzer Kollege nimmt von diesen zwei Pröbchen Akt und schließt mit dem Wunsche „Möge es den Herausgebern gelingen, im Publikum recht festen Boden zu fassen". Sapienti sat! — In Elswick wurde der Friedhof der israelitischen Gemeinde Newcastle a. Tyne seiner Bestimmung iibergeben. — In London kam in einem jüdischen Club ein Stück, „Deborah" betitelt zur Aufführung. Es stellt Lebensbilder der Juden in Oesterreich im siebzehnten Jahrhundert dar. — Die „Bohemia" brachte jüngst einen Aufsatz eines Londoner Correspondenten, in welchem ein trauriges Bild von der Lage der russisch-jüdischen Bevölkerung in London entworfen wird. Tausende von jüdischen Arbeitern, Männer, Frauen und Kinder zusammengepfercht in halbfinsteren Zimmern, arbeiten von 7 Uhr Morgens bis in die späte Nacht im Schneiderfache und werden von ihren Arbeitgebern derart schlecht bezahlt, daß sie nicht einmal ihren nöthigen Lebensbedarf decken können. Soll einer noch sagen, die Juden arbeiten nicht! — In Kork regte sich jüngst der Antisemitismus gewaltig. In einer daselbst am 8. März abgehaltenen Versammlung wurde eine Resolution gefaßt, in welcher es heißt, man soll die Juden „die mörderischen Zigeuner" austreiben, welche aus Kork ein zweites Jerusalem gemacht". Parnell trat für die Juden ein und damit hat sich die Bewegung verlaufen. — Die Stadt Reggio wählte Herrn Ulderico L8vi zu ihrem Vertreter in die Abgeordnetenkammer zum Dank dafür, daß er der Stadt mit einem Kostenaufwande von 700,000 Francs eine Wasserleitung errichten ließ. — In Albero hat Herr Guiseppe Giganto in seinem Testamente 800,000 Lire für die Gründung einer Agricultur-Akademie bestimmt. In erster Linie sollen in dieser Anstalt jüdische Studierende Freistellen erhalten. — Der „„Osservatore“ in Rom, ein Organ des Papstes, schreibt „Wir erklären es offen, der heilge Vater liebt alle Völker gleich, sie seien Juden und Christen, Römer oder Deutsche. Alle sind seinem Herzen gleich nahe." Mögen hiervon die katholischen Hetzblätter vielfach Notiz nehmen. — Ueber den durch die Zwangstaufe aus dem Jahre 1858 bekannten Mortara, den man dem Judentume, obgleich Montefiore eine Reise nach Rom zu diesem Zwecke machte, nicht wiedergeben wollte, findet man Näheres in einem kürzlich im Verlage von Benzinger & Cie. in Einsiedeln erschienenen Reisewerke: „Reisebriefe aus Spanien und Marokko, ein Beitrag zur Kenntnis spanischer Zustände", von Franz Rolef, Lektor der neueren Sprache an der Universität Freiburg. Das der Erzählung beigegebene Porträt Mortara's in der Tracht eines apostolischen Missionars zeigt offene, intelligente und fast noch et-

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