Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1888)
- Date
- 1888-05-01
- Page
- Seite 118 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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118 was kindlich angehauchte Züge, die gar nichts Fanatisches an sich haben. — In Odessa wurde Herr Magister I>r. Gurland zum Stadtrabbiner erwählt. Die Gemeinde wird erst in Zukunft verstehen, was sie an Di-. Schwabachrr besessen. — In Minsk starb Ä. D. B. Aampe, ein bedeutender Talmudkenner. Die von ihm hinterlassene hebräische Bibliothek, eine der bedeutendsten in Rußland (über 5000 Bände) soll der Gemeinde als Stiftung des Heimgegangenen verbleiben. — In Zt. Petersburg starb der verdiente jüdische Schriftsteller A. L. Lewanda. Viele seiner in russischer Sprache erschienenen Schriften haben hebräische Uebersetzer gefunden. Bei seinem Begräbnisse, das am 22. März unter großer Beteiligung stattfand, wurde der mit Kränzen geschmückte Sarg nach der Synagoge gebracht, woselbst Herr Rabbiner Dr. Arablii» Worte ehrender Erinnerung gesprochen. Des Verstorbenen Werke sollen in einer neuen Gesammtansgabe erscheinen. — In Gluchow starb der hervorragende Schriftsteller C. H. Zweifel, früher Lehrer am Rabbinerseminar in Zitoinir. Von seinen vielen Arbeiten heben wir sein Werk „Schalom al Israel“ hervor, in welchem er sich über den Ursprung der Chassidäer und über ihre religiös-kabbalistischen Anschauungen ergeht. Er schrieb auch in jüdisch-deutscher Sprache eine rabbinische Ethik nebst Lebensregeln. Die hebräischen Zeitschriften haben an ihm einen hervorragenden Journalisten verloren. — Man ist in jüdischen Kreisen mit der Millionen-Spende des hochherzigen Aaron Hirsch für Rußland nicht zufrieden. Auch die „Hazephira" giebt einer solchen Stimmung Ausdruck. Man hält eben Rußland weder für den rechten Boden noch für den Rechtsboden für solche Hochherzigkeit. Auch sind die russischen Juden, welche in Ackerbau und Handwerk Tüchtiges leisten, hierzu nicht erst zu erziehen. So lange die nationale russische Jugend nicht im Geiste des echten Christentums zur allgemeinen Menschenliebe erzogen wird, insolange ist auch daselbst auf eine verbesserte Lage der Juden wenig Hoffnung vorhanden. — lieber das Fabrikwesen in Rußland haben amtliche Erhebungen ergeben, daß zwei Dritteile der Fabrikbesitzer Inden und nur ein Dritteil Christen seien. In den jüdischen Fabriken werden allein 13081 Arbeiter beschäftigt. — Am 25. Februar brach in Warschau auf der Frauengallerie der Synagoge in der Tlomackie-Straße eine Panik aus in Folge falschen Feuerlärms. Alles stürzte in wilder Flucht dem Ausgange zu. Mehrere Personen wurden getödet, einige schwer und viele leicht verwundet. — Aus Zassy sollen 700 jüdische Familien nach Amerika ausgewandert sein. — In Kakau ist die Seelenzahl der Juden durch Zuzug in Folge von Ausweisungen von 3000 auf 6000 gestiegen. — In Ueiv-Uork starb Herr Gerso» U. Uerrinniin, geb. 1829 in Bayern. Er nahm regen Anteil an den politischen Bewegungen in Amerika und wurde 1883 zum Polizeirichter ernannt. Der Verstorbene war auch Präsident der jüdischen Gemeinde „Ansche Cliesed“ in New-Uork. — Der Nordamerikanische Präsident ernannte Herrn Bloch aus Cleveland zum Generalkonsul in Budapest. — Herr Charles Kouiffon ist zum Bürgermeister von Christchurch in Neu-Seeland erwählt worden. — Die Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und zur Kenntnis der Mechanik unter den Juden in Rem-Vork (Society of the Helm teclmical Institute) hat im abgelaufenen Jahre die Summe von 28,457 Dollars verausgabt. — Am 26. Januar wurde in Ondshoovn der Grundstein zu einer Synagoge in feierlicher Weise gelegt. Es befinden sich in der Stadt an 250 jüdische Seelen. — In Madrid starb der Fürst Don Alferdo Weil, geb. zu Paris 1848. Er bekleidete Ehrenstellen bei der Regierung und erfuhr vielfache Auszeichnnngen.