Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1888)
- Date
- 1888-05-01
- Page
- Seite 116 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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116 welcher wieder in den Universitäten den Geist der Humanität, der Freiheit und ächter Bildung zur Geltung bringen will. Im abgelaufenen Jahre traten 12 Katholiken und 32 Evangelische ins Judentum über." — Im Österreichischen Herrenhause wurde die Regierungsvorlage betreffend die Regelung der Rechtsverhältnisse der jüdischen Religiorrsgenoffenschaften angenommen. Die Debatte hierüber eröffnete Herr Kultusminister v. Gautsch. Herr Morih Ireiherr v. Königsmarter dankte der Regierung für die Regelung der Verhältnisse der jüdischen Religionsgemeinden. Er rühmte das besonnene Auftreten des Herrn Kultusministers und seine zielbewußte Haltung in dieser Frage und hob dann hervor, daß in den östlichen und westlichen Gebietsteilen der Monarchie ein Kulturunterschied von einem Jahrhundert bestehe. Im Westen des Reiches war inan in richtiger Erkenntnis der Forderungen der Zeit schon im Anfang dieses Jahrhunderts bemüht gewesen, Männer zu Rabbinen zu erwählen, welche auf der Höhe der Bildung gestanden hatten, nicht so im Osten. Dort wird von den Rabbinern noch die Kenntnis aller anderen Wissenschaften verpönt. Herr Baron v. Königswarter sagte im Laufe seiner Rede: Es hat zu allen Zeiten im Judentum fromme Männer gegeben, welche gleichwohl die Wissenschaft sehr schätzten und ich will nur auf einen einzigen Mann Hinweisen, weil er vielleicht unter ihnen der bekannteste ist, es war dies ein Mann, der vor mehr als hundert Jahren gelebt, geschrieben und gewirkt hat, der bahnbrechend war für seine Glaubensgenossen und segenspendend für ihre Zukunft, der in der deutschen Kulturgeschichte ewig einen bleibenden und unvergänglichen Platz einnehmen wird und der gleichwohl in seiner Tugend und Frömmigkeit bisher von Niemandem angezweifelt wurde, ich meine Moses Mendelssohn. Redner hofft, daß auch in Galizien und in der Bukowina bessere Verhältnisse Platz greifen werden, daß auch dort der Geist des Lichtes und der Wahrheit durchbrechen werde und daß auch dort die Schranken fallen werden, welche jetzt die israelitische Bevölkerung von der Mitwelt abschließen. Wir sind Herrn Baron v. Königswarter für diese von Ernst und Einsicht getragenen Worte zu Dank verpflichtet und stimmen auch darin mit ihm überein, daß von dem Jnslebentreten einer Konsistorialverfassung in Oesterreich viel Heil und Segen für die Kultur der Juden zu erwarten sei. — In der Gesellschaft für jüdische Studien in Paris hielt Herr Prof. Dernes einen Vortrag über Jeptha der Gileadeten und über die völkerrechtliche Beziehung der Stämme Israels zu den andern Völkern. — Herr Lh\ Strauß in Daris wurde zum Professor daselbst ernannt. — Die Akademie der schönen Künste in Paris hat für die freie Stelle eines auswärtigen Mitgliedes den Künstler Antokolski gewählt. — Die franMlche Regierung hat die Subvention des Rabbiner-Seminars mit jährlich 22000 Francs gestrichen. — Herr Aaron v. Hirsch hat, wie in den verflossenen Jahren, auch diesmal das Deficit der isr. Alliance des Jahres 1887 gedeckt. Dasselbe betrügt Frcs. 99,671.75. — The Jewish Standard ist der Name eines orthodoxen Blattes. Nach dem Leitartikel, den die „Zukunft" diesem neuen Organe widmet, haben wir es hier mit der verfälschten Orthodoxie zu thun. Man schreibt uns über dieses neue Blatt: Wie der „Israelit" des Herrn l)r. Lehmann in Itlniii; berichtet (Beilage zu Nr. 20 d. I.) ist in London eine orthodoxe israelitische Zeitschrift unter dem Titel „The Jewish Standard, Degel Josclmrun" (letzteres mit hebräischen Typengedruckt) ins Leben getreten. Das freut den Mainzer Berufs- und Gesinnungsgenossen sehr; er findet'es „im höchsten Grade wohlthuend, numnehr die Prinzipien des wahrhaften Judentums auch in englischer Sprache dargelegt zu sehen" da die bestehenden englisch-jüdischen