Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1888)
- Date
- 1888-05-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Sohn Alexander ans Befehl des Poinpejus enthauptet worden war. Und wenn auch Herodes nicht durch mörderische Hand sein Leben geendet hat, so ist er doch an mörderischen Qualen seines Herzens zu Grunde gegangen. 7. „Er Pflegte zu sagen: Biel Fleisch — viel Gewürm; viel Güter — viel Sorge; viel Frauen — viel Zauberei; viel Mägde — viel Unzucht; viel Knechte — viel Raub; viel Wissen — viel Leben; viel Studieren — viel Weisheit; viel Rat — viel Einsicht; viel Gerechtigkeit — viel Frieden; wer einen guten Nanien erwirbt, erwirbt ihn für sich; wer sich Kenntnisse aneignet, schafft sich das Leben der zukünftigen Welt." 8a. „Rabban Jochanan, der Sohn Sackai's, empfieng von Hillel und von Schammai. Er pflegte zu sagen: Wenn du viel Tora gelernt hast, so thue dir darauf nichts zu Gute, denn dazu bist du nur erschaffen." R. Jochanan, welcher mit List glücklich aus dem vou den Römern belagerten Jerusalem entkam, begab sich in das Lager Bespasian's und wurde von ihm freundlich ausgenommen, indem er dem bekannten und angesehenen Gelehrten und Weisen sogar die Aeußernng einer Bitte freistellte. Nun hätte er ja die Gunst, die er in den Augen des Römers gefunden, — ähnlich wie nicht gar lange vorher Flavius Josephns, der sich den Römern aus persönlichem Vorteil ganz und gar angeschlossen — für sein eigenstes Interesse nutzen können; doch er zog es vor, an die Gesamtheit zu denken und in deren Interesse und in dem des Judentunis um die Erlaubnis, ein Lehrhaus errichten zu dürfen, zu bitten. Und nach Gewährung dieser seiner Bitte sammelte er in Berur-Chajil seine Jünger (Sifre Debarim 16, 20, Sanhedr. 82b., Brüll, I. Einl. in d. Mischna S. 59), um mit ihnen nach Jabneh überzusiedeln. — Und dieser seiner Uneigennützigkeit, mit welcher er das Gewicht seiner Persönlichkeit nicht für sich, sondern für den Dienst göttlicher Zwecke verwertet und eine Verjüngung des Judentums nach dem Verluste der nationalen Selbständigkeit herbeigeführt, entspricht auch dieser Spruch. 8b. „Fünf Schüler hatte Rabban Jochanan, Sohn Sackai's, und zwar: R. Elieser, Sohn des Hyrkan, R. Josua, Sohn des Chananja, R. Jose Hakohen, R. Simon, Sohn des Nathanel und R. Elasar, Sohn des Arach. Er pflegte ihr Lob zu künden: R. Elieser, Sohn des Hyrkan, gleicht einer Cisterne, die nicht einen Tropfen verliert; R. Josua, Sohn des Chananja, — Heil seiner Mutter! R. Jose Hakohen ist ein Frommer; R Simon, Sohn des Nathanel, ist sündenscheu und R. Elasar, Sohn des Arach, ist wie eine stark sprudelnde Quelle. Er pflegte zu sagen: Wenn alle Weisen Israels auf einer Wagschale sich befänden und Elieser, Sohn des Hyrkan, auf der anderen, so würde er sie Alle überwiegen. — (Abba Saul sagte in seinem Namen: Wenn alle Weisen Israels auf einer Wagschale wären und Elieser, Sohn des Hyrkan, mit ihnen, aber Elasar, Sohn des Arach, auf der anderen Wagschale sich befände, so würde er sie Alle überwiegens." Nach der Vernichtung des nationalen Staatslebens war es die vorzüglichste Aufgabe in Israel, die Tradition zu erhalten, zu befestigen und zu fördern, und darum darf es nicht auffallen, daß R. Jochanan b. Sackai, der Reformator des Judentums, in dieser Charakteristik seiner bedeutendsten Schüler dem Intellektuellen vor dem Ethischen den Vorzug giebt, tvährend dieses wieder im folgenden Spruche den Vorrang erhält. Haupttrüger der Tradition unter den Schülern war R. Elieser; Sohn Hyrkan's, welcher alles festhielt, was er von seinen Lehrern überkommen, oder — nach der Version des Abba Saul (vgl. I Lewy: