Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1888)
- Date
- 1888-05-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969754-2969760--2262-2972438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
109 Und wenn Ihr so den Rnf der Zeit verstehet Mit aufzurichten einen neuen Bau, Ein lichter Hoffnungsstrahl uns noch umwehet: Man stets auf Israel mit Achtung schau'. Drum auf o Jugend! laß die Banner wallen! Hört Jhr's nicht mahnend durch die Lüfte schallen? Erwacht! Erwacht! Wenn wir auch nimmer die Vollendung schauen, — Wie Mose einst,' des Herren treuer Knecht, Wir können froh dann auf die Zukunft bauen: Der Segen blüht dem künftigen Geschlecht. — Dann werden stolz die Siegesbanner wallen! Dann hört Jhrs mahnend durch die Lüfte schallen: Bleibt wach! Bleibt wach! Tübingen. Eugen Elkan. Me Sprüche der Waler und ihre historischen Weziehungen. Bon Rabbiner vr. S. Fricdmann in Lublinitz.*) 5. „Er Pflegte zu sagen: SJJidjt ist ein roher Mensch sündenscheu, und nicht ist ein Unwissender fromm. Nicht lernt der Schamhafte und nicht ist der Aufbrausende ein (rechter) Lehrer. Nicht wer sich viel mit Handel beschäftigt, wird weise. Wo Männer nicht vorhanden sind, bemühe dich, ein Mann zu sein." Während in den früheren Sprüchen Hillels (1, 12—14; 2, 4b) das Ethische in den Vordergrund tritt, wird in diesem seinem Spruche besonders das Intellektuelle betont und nachdrücklichst hervorgehoben, wohl in dem rechten Sinne, daß in dem nach Vervollkommnung strebenden Menschen sowohl der Verstand als auch das Gemüt gepflegt werden müsse. — Der zweite Satz des Spruches geißelt wohl Schammais Ungeduld, von dem berichtet wird, daß er aus geringfügiger Ursache leicht in Zorn geriet (Sabbat 31). — (Zum dritten Satze vergleiche den Ausspruch R. Jochanan's (Erub. 55a): Die Gelehrsamkeit findet sich nicht bei Hochiniitigen, sie findet sich nicht bei Kaufleuten und Hausierern)." 6. „Auch sah er einen Kopf auf dem Wasser schwimmen. Er sprach zu ihm: Weil du schwimmen ließest, läßt man dich schwimmen, und schließlich werden die, welche dich schwimmen lasse», selber schwimmen." Mit diesem Spruche, welcher bildlich den Satz der gerechten Vergeltung darstellt, „Mit dem Maße, mit dem der Mensch mißt, wird er selbst auch gemessen" (M. Sota 1, 7), wird vielleicht auf eine der Unthaten Herodes' hingewiesen. Der „eine Kopf", den Hillel schwimmen sah, ist wohl der des alten Hyrkan, Sohnes der Königin Salome, welcher nach dem Siege Octavian's bei Äktium (31) von Herodes ohne jeden Grund hingerichtet wurde. Hyrkan aber hatte vorher denselben Frevel verursacht durch seine Verbindung mit Antipater, indem — wie es hieß — wahrscheinlich auf dessen Veranlassung sein Bruder Aristobul vergiftet und dessen *) Fortsetzung zu Jahrgang VII. S. 181.