Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1888)
- Date
- 1888-05-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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105 einschneidende Maßregeln auf sie nicht basiert werden könnten. Deswegen bleibe es unbenommen, solchen Maßnahmen zuzustimmen, von denen ein anderweitiger Schadeil nicht zu befurchten sei; denn kein Vernünftiger möchte das Vorkommen des Wuchers auch über die Zahl der zur gerichtlichen Kenntnis gelangenden Fälle hinaus in Abrede stellen. Erfolgen solche Maßregeln (Redner bespricht die obligatorische Sachversicherung, die Frage obligatorischer Abrechnung u. A.), so möchten dieselben als Folgen dieser Publikation zu begrüßen sein. Sehr wenig zu begrüßen sei jedoch die Förderung antisemitischer Tendenzen, die aus der Färbung der meisten Berichte erwachsen müsse. Redner weist nach, wie in Anküpfung an die Frage, wer den Wucher treibe, meist in einseitiger und gehässiger Weise die Beteiligung der Juden am Wucher (die sich durch die von Alters her notgedrungene Mehrbeteiligung am Handel so einfach erkläre) hervorgehoben sei; er zitiert Aeußerungen, die in die Publikationen eines wissenschaftlichen Vereins ausgenommen zu sehen man bedauern müsse. Unnütze Gehässigkeit säend, führe diese Unterscheidung überhaupt auf falsche Bahnen, lenke von der Untersuchung der wahren Ursachen ab, die überall in allgemein wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnissen begründet sei. Redner schließt init einem kurzen Ueberblick über die Ausschreitungen, die der wirtschaftliche Egoismus der Menschen zu allen Zeiten und in allen Ländern in den verschiedensten Formen hervorgebracht. Zur Heschichle der Juden in Schweden. Die Notiz, welche die „Populär-wissenschaftliche Monatsblätter" in ihrem letzten Hefte über neuerdings bekannt gewordene Urkunden zur Geschichte der Juden in Schweden brachte, bedarf einer Berichtigung beziehungsweise Ergänzung, welche ich Ihren geehrten Lesern nicht vorenthalten zu sollen glaube, teils, weil es zu verhindern gilt, daß Jemand, durch diese Notiz angeregt, sich vergebliche Mühe uni die fraglichen Urkunden mache; teils, »veil sich hierbei die Gelegenheit bietet, die, wie es scheint, nicht sehr gekannte, aber für Schicksal und Bedeutung der Juden sehr charakteristische Geschichte ihrer erneuten Niederlassung in Schweden wenigstens in den Grundzügen zu verzeichnen. — Zunächst sei bemerkt, daß die Versuche, die Juden wieder in's Land zu ziehen, wie sie in den fraglichen, aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts staminenden Urkunden dokumentiert sind, zur Zeit ohne jeden Erfolg waren. Man hat es also hier weniger mit „Beiträgen zur Geschichte der Juden", wie die Notiz meldete, als vielmehr mit einem Beitrag zur Charakteristik gewisser derzeitiger Zustände und Verhältnisse in Schweden zu thun. Zu einer dauernden Niederlassung der Juden in Schweden kam es erst auf Grund eines Gesetzes von 1782, welches ihnen das Land öffnete, zwar, wie wir weiter unten sehen werden, nicht bedingungslos und uneingeschränkt, aber doch in solchen! Maße, daß sie hier ein festes, gesichertes Heim und vergleichüngsweise ungehindertes, religiöses Gemeindeleben begründen zu können hoffen durften. Ans früherer Zeit finden sich wohl auch hie und da Spuren, welche auf die Existenz von Juden im Lande Hinweisen — in Gothenburg soll sogar einer der ersten Bürgermeister, der zu den s. Z. die Mehrzahl der bürgerlichen Einwohner bildenden Holländern gehörte, ein Jude gewesen sein —; aber diese Spuren sind ganz vereinzelt und verlieren sich jedesmal bald wieder. Vielfach waren solche Juden, die unter irgend welcher Maske ins Land kamen, am