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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-05-01 · Heft 5 (1.5.1888) · p. Seite 104

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 5 (1.5.1888)
Date
1888-05-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 Herr Dr. G. Schnapper-Arndt, der bekannte Verfasser mustergiltiger Darstellungen über die Hausindustrie auf dem Taunus, führt aus, daß dasjenige, ' was hier durch zerstreute, im Verhältnis zur Größe der behandelten Gebiete sehr spärliche, ihrerseits wieder auf Erkundigungen angewiesene Berichterstatter vorgebracht wird, durch die Autorität der einzelnen Gelehrten, die am „Verein für Sozialpolitik" beteiligt, aber großenteils gar nicht in der Lage sind, von dem zu Publizierenden Einsicht ju nehmen, ohne weiteres nicht gedeckt werden kann. Redner weist zunächst auf das Mißliche hin, daß einzelne Berichterstatter, Lehrer, Rittergutsbesitzer, Geistliche u. A. über die Verhältnisse viel zu großer Gruppen (u. A. z. B. iiber das rechtsrheinische Bayern mit 356,524 selbstständigen Landwirten) zu berichten hatten. Die statistische Methode in den fraglichen Berichten anzuwenden ist nur in relativ geringem Grad möglich gewesen. Aber auch das Mögliche ist fast überall unterlassen oder auch teilweise in einseitiger oder tendenziöser Weise ausgeführt worden. Der Referent kritisiert hier u. A. die Statistik des Kaplan Dasbach (Trier'sches Gebiet). Diesem hat als Schriftführer eines Bauernvereins das Material von iiber 200 zwischen den Handelsleuten und den Bauern geführten Prozessen zu Gebote gestanden; er teilt aber von diesen nur 40 mit, deren Ausgang überall die Handelsleute in einem schlechten Lichte erscheinen läßt. Gewiß ein unzulässiges Verfahren, zumal wenn man erwägt, daß der Bauernverein als eine Art Rechtsschutzverein überhaupt nur derjenigen Prozesse sich annimmt, die ihm von vornherein günstige Chancen zu bieten scheinen, während er die Führung der übrigen von vornherein abweist. -Nun ist von dem Herausgeber, Herrn Geh. Regierungsrat Thiel, in dem Vorworte gesagt: da positive statistische Daten nicht erhältlich, so sei man auf Stimmungsberichte angewiesen. Ein solches Dilemma ist jedoch nicht zuzugeben. Was vielmehr übrig blieb, war die sorgfältig geprüfte, objektive Darstellung von Einzelfällen mit oder ohne darauf basierte allgemeine Schilderung. Auch die sorgfältigste Schilderung ohne Belege ist nicht als das von solchen Enqueten zu Erstrebende anznsehen. Der größte Teil des gebotenen Stoffes gehört jener Kategorie allgemeiner, unbelegter Beschreibung an; trotz ihrer eigenen häufigen Versicherung, daß im Allgemeinen nur der Unwirtschaftliche oder schon Verlorene durch Wucher ruiniert werde, haben die Meisten ersichtlich doch unter dem Eindruck geschrieben, als ob es gälte möglichst schwarz zu sehen. Manche, ordentlich verlegen, bei sich keinen Wucher zu finden, kleiden dies wenigstens so ein, daß sie sagen, daß es bei ihnen nicht so schlimm als in anderen Gegenden Deutschlands stiinde. Redner führt an Beispielen aus, wie unumgänglich es in vielen Fällen gewesen wäre, die thatsächlichen Belege beizubringen, während sich für deren Nichtbeibringung gar kein ersichtlicher Grund anführen ließe. (So bei vielen Urteilen über Preise, Gebühren u. s. f.) Wo jedoch Einzelfälle mitgeteilt würden, da fehle in der Mehrzahl der Fälle die möglichst genaue Präzisirung des Falles und die möglichst sorgfältige Quellenkritik. Sehr häufig fehlen auch nur die notdürftigsten Andeutungen über Ort und Zeit, so daß man u. A. alsdann nicht urteilen könne, wie weit die Fälle räumlich und zeitlich auseinanderbezw. zurückliegen. Nicht nur die Stellung der Gewährsmänner zum Falle blieb meist unerörtert, sondern sogar der Berichterstatter selbst verbirgt sich zuweilen in Anonymität (Hessen-Cassel, Hannover), was sich aus der Heftigkeit der betreffenden Berichte erklärt, aber auf den, Gebiete wissenschaftlicher Erhebungen ganz unerhört ist. Nach Alledem glaubt Redner, daß sich ein Urteil über den Umfang des Wuchers auf diese Berichte nicht gründen lasse, so daß auch

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