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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-05-01 · Heft 5 (1.5.1888) · p. Seite 102

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 5 (1.5.1888)
Date
1888-05-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 reicheren für unsere zukünftige Generation von dauerndem Werte bleibenden und so eine reiche Belohnung versprechenden Arbeit- Aber dies ist nur ein einziger Punkt und wollen wir versuchen noch einige andere Uebelstände, die einer ebenso dringenden Reform bedürfen, in Anregung zu bringen. Vor allem wollen wir die geehrten Leser darauf Hinweisen, daß die Institution der sogen. „ItonnitzwnU“ so recht dazu angethan ist und zwar baldigst, diese „unsere Mission" ins Leben zu rufen, um hier eine Reform an Haupt und Gliedern, welche nicht nur zeitgemäß, sondern auch aus Gründen der Zweckmäßigkeit am Platze ist, endlich einmal zur Durchführung zu bringen. Jedem Vernünftigen leuchtet es ein, daß unsere jetzige Art, den Jüngling — die Jungfrau wird ja eben fast nie feierlich ausgenommen — in die Gemeinde als Mitglied eintreten zu lassen, weder eine würdige und dem Geiste unserer Religion entsprechende, noch ans das Gemüt desselben wirkende ist. Unsere heutige freier bleibt auch für das zukünftige Leben ohne jeglichen nutzbringenden Einfluß. Hier treffen Mendelssohn's Worte zu: „Religiöse Handlungen ohne religiöse Gedanken sind leeres Puppenspiel, kein Gottesdienst." — Als dritten und letzten Hauptpunkt für „unsere innere Mission" will ich heute nur noch unseres Gottesdienstes mit einigen Worten gedenken. Daß hier endlich die schon lange in Aussicht gestellte zeitgemäße, die indifferenten Elemente unter uns wieder zngewinnende Reform dringend not thut, ist jeder, der dem aufgeklärten Judentum angehört, überzeugt; sie schwebt Jedem auf der Zunge. Das Uebel liegt nur daran, wie bei allen Reformationen, daß Niemand zuerst den Anfang machen will. Nun haben wir erst einmal den Mut dies in Wort und Schrift offen auszusprechen, dann bin ich überzeugt, daß eine zeitgemäße Reforin bald in Fluß und auch zur Ausführung gebracht werden wird. Wir erfahren von unseren Gegnern, daß man oft innerhalb des Judentums, insbesondere im geschäftlichen und täglichen Verkehre für die „sozialen Fragen", die brennendsten unseres Jahrhunderts, wenig Verständnis entgegen bringe. Aber wie kann dies anders sein, wenn das Gotteshaus, das neben einer Stätte der Andacht auch ein „Lehrhaus" sein soll, meist leer und nur an hohen Festtagen von denen besucht ist, welche am meisten dazu berufen sind, die von unserer Religion gelehrte, stets hoch zu haltende und auch im Leben zu übende „Religion der Moral", welche allerdings im Kampf ums Dasein leider so leicht und so oft in Vergessenheit und außer Acht geräth, auch im Leben zu bethätigen — wir sagen wie kann dies anders sein, wenn sie den so oft nötigen und heilsam wirkenden Ermahnungen hierzu aus deni Wege gehen? — Wenn aber unser Gottesdienst in alter Weise fortgeführt wird, wie seither — wir erinnern nur an die langdauernden in hebräischer, den Meisten nicht verständlichen Sprache gehaltenen Thoravorlesungen, in neuerer Zeit wurde sogar in Frankfurt a. M. der dreijährige Cyelus abgeschafft — dann dürfen wir auch wahrlich keine größere Anteilnahme an unseren Andachtsübungen und somit aber auch eine damit eng zusammenhängende Besserung unserer inneren Zustände in selbst ferner Zukunft nicht erwarten. — Wir sind zu Ende mit unserer heutigen Erörterung und glauben, daß es allen wahren Freunden eines aufgeklärten Judentums am Herzen liefen sollte, endlich einmal nicht blos in Worten, sondern auch mit der Tha t an die keineswegs mühelose Aufgabe heranzutreten, die schon viel zu lang aufgeschobene Reform anbahnen und durchführen zu helfen.

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