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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-04-01 · Heft 4 (1.4.1888) · p. Seite 95

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 4 (1.4.1888)
Date
1888-04-01
Page
Seite 95 (sequence 23)
Language
German
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95 abweist. Ein selbstverständliches Axiom ist für Josephus Flavins die Unsterblichkeit der Seele, doch wird die Lehre von der Auferstehung wohl mit Rücksicht darauf, daß analoge Begriffe in der griechischen Philosophie für dieselbe nicht vorhanden waren, nicht genugsam betont. — In einer Abhandlung von vr. Siegmund Maybaum, überschrieben: „Die Zerstörung des Tempels und des Prophetenhauses zu Sil«" wird eine neue Beleuchtung dieses in Dunkel gehüllten Ereignisses der althebräischen Geschichte versucht. Im Laufe der sorgfältig und scharfsinnig geführten Untersuchung, die auch neue Aufklärungen über die Organisation des israelitischen Priesterstandes darbietet, gelangt der Verfasser zu der durch tüchtige Beweise gestützten Annahme, daß der Tempel zu Schilo von dem judäischen Königshause in den Kämpfen, die der Spaltung des Reiches unmittelbar vorangingen oder folgten, zerstört und nicht wieder aufgebaut worden ist. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß es diesem, nachdem Jerusalein zum politischen und religiösem Mittelpunkte des Volkes geworden war, darum zu thun war, die alte Cultusstätte zu Schilo, die bei den von Jerobeam geleiteten Trennungsgelüsteu der zehn Stämme ein Herd des Kampfes gegen Juda geworden war, zu vernichteir. — Von (?. Aigourour's bedeutendem Werke: „Die Bibel und die neueren Entdeckungen" (deutsch übersetzt von Joh. Ibach) ist der vierte (letzte) Band ausgegeben worden (Mainz, Kirchheim 1886). Mit sorgfältiger Umsicht werden in diesem die Zeit der Könige seit der Trennung der zehn Stämme bis zum Ende der babylonischen Gefangenschaft behandelnden Teile die Resultate der neueren assyrischen Entdeckungen, die freilich noch nicht völlig sichergestellt sind, für die Darstellung der Geschichte dieser Periode verwertet. Die aufgefundenen Bilderdenkmäler, mit denen uns der Verfasser bekannt macht, liefern selbst schon einen Commentar zu derselben, der uns manche Situation jener Zeiten, deren Reflex in den biblischen Urkunden hervortritt, veranschaulicht. Die Aufstellungen des Verfassers sind durchwegs einleuchtend, nur kann die Annahme, daß die Erzählungen der Bücher Daniel und Judit in allen ihren Teilen als streng historische Dokumente anzusehen sind, trotz der Beweise, die er hiefür gefunden zu haben glaubt, gegenüber den kritisch festgestellten Ergebnissen der neueren Bibelforschung nicht aufrecht erhalten werden. — Von Ä. ftoij’s Wörterbuche zu den Talmuden und Midraschim ist die einundzwanzigste Lieferung erschienen. — Herr Ur. A. Berliner hat ein im Jahre 1759 verfaßtes Gutachten Giailganelli's, des nachmaligen Pabstes Clemens XIV., in welchem die Grundlosigkeit der den gegen die Juden erhobenen Beschuldigung des Blutgebrauchs durch umfassende Nachweise dargethan wird, nach einer Copie des ungedruckten Textes derselben, die sich im Archive der jüdischen Gemeinde zu Rom befindet, in deutscher Uebersetzung veröffentlicht (Berlin, PH. Deutsch 1888). Die Herren Rohling und Genossen mögen daraus lernen, daß die höchsten Autoritäten der katholischen Kirche in jener Beschuldigung eine böswillige Erfindung boshafter Berläumder erkennen. — Herr fj. 3. Reich, Rabbiner in Bonyhad, ein Enkel des in weiteren Kreisen gekannten Talmudgelehrten R. Koppel Charif, hat sich die Aufgabe gestellt, die massoretisch tradirten Doppel-Lesearten an einzelnen Stellen der Bibel (Keri-u-Ketib), von welcher gewöhnlich die eine für eine später festgestellte Correktur der anderen gehalten wird, so zu erklären, daß die betreffenden Stellen jeder dieser ^Varianten gemäß einen verständlichen Sinn erhalten, nachdem ihm jene Annahme aus dogmatischen Rücksichten nicht zulässig erscheint. Unter dem Titel ,,K«1 Jehudah“ (Preßburg 1887) hat er zunächst seine diesbezüglichen Erläuterungen zu den Psalmen veröffentlicht. Die-

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