Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1888)
- Date
- 1888-04-01
- Page
- Seite 94 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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94 von Neuem gewählt. — In Amerika hat die „Jewish Free Preß" zu erscheinen aufgehört. Ein neues Blatt erscheint unter dem Titel „Jewish Uoice" herausgegeben von Herrn Rabbiner Or. M. Kpjh. — Von Oktober 1886 bis Ende September 1887 sind in Uew-UorK 25,778 jüdische Einwanderer angelangt, darunter 18,682 rusiische Juden. — Weftrate und Mitteilungen. Aus dem Nachlaße Zamuel Chaim Iellmann's, eines Schülers S. D. FuWlto's wurden durch Herrn Uictor's Cattighoni dessen hebräische Gedichte, Briefe und exegetische Beinerkungen unter dem Titel: Liber Samuelis poemaniin sive citharae filius (Triest 1886) edirt. In der neuhebräischen Poesie der italienischen Schule, als deren Haupt Luzzatto anzusehen ist, ist mehr Geschmack als Schwung zu erkennen; sie schlägt daher auch da, wo sie der lyrischen Stimmung Ausdruck geben soll, einen epigrammatischen Ton an, der aber durch Zierlichkeit und Gewähltheit des Ausdruckes verschönt wird. Die vorliegende Sammlung enthält zumeist Gelegenheitsgedichte, Elegien, Grabschriften und dgl. und darf daher auch ein zeitgeschichtliches Interesse für sich in Anspruch nehmen. — Von der Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland (Herausgeber Prof. Dr. Ludwig Geiger) ist das 1. Heft des zweiten Bandes uns zugekommen. Dasselbe enthält eine recht dankenswerte von C. A. H. Bnrkhardt und M. Stern mitgeteilte Zusammenstellung von Abhandlungen und Notizen zur Geschichte der Juden in Deutschland, die in den verschiedensten Sammelwerken und Zeitschriften sich vorfinden, eine Correspondenz von Gabriel Rießer und A. M- Stern, die uns mit dem Auftreten der neueren Reformbewegung bekannt macht, beachtenswerte geschichtliche Beiträge von Aronius, Löwenstein und Geiger. — „Beiträge zur Kenntnis der religionsphilosophischen Anschauungen des Flavius Josephus" (Breslau, Preuß & Jünger 1887) betitelt sich eine von Herrn A. Lewinsky veröffentliche Schrift, die dankenswerte Aufklärungen über die theologischen Theorien, die in Josephus Schriften zum Ausdrucke kommen, darbietet. Da Josephus seinen Plan, in einem besonderen Werke eine Darstellung der jüdischen Lehre zu liefern, nicht zur Ausführung gebracht hat, können wir nur aus den in seinen sonstigen Schriften enthaltenen Aeußerungen eine Vorstellung von seiner Auffassung der jüdischen Glaubenslehren gewinnen. Aus zahlreichen Stellen geht, wie der Verfasser nachweist, mit voller Klarheit hervor, daß Josephus, dessen Anschauung mit der biblischen Ueberlieferung vollständig übereinstimmt, doch die abstrakte Ausdrucksweise der griechischen Philosophie zu Hilfe nimmt, um der Lehre von der Geistigkeit Gottes unverkennbare Deutlichkeit zu verleihen, und daß in den wenigen Stellen, in welchen, er der die göttliche Providenz vollständig anerkennt, das Walten blinder Schicksalsmacht anznnehmen scheint, nur Redensarten, die in der römisch-griechischen Welt geläufig waren, zu erkennen sind, die keinen Rückschluß auf seine wirklichen Glaubensvorstellungen gestatten. Wie strenge Josephus sich an die biblische Tradition hält, ist daraus zu ersehen, daß er auch in der Lehre von den Engeln, die als von Gott geschaffene Geister seinen Willen vollfahren, derselben folgt und die philonische Theorie von dem Logos, dem geschaffenen göttliche» „Worte", das bei der Erschaffung der Welt mitgewirkt habe,