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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-04-01 · Heft 4 (1.4.1888) · p. Seite 89

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 4 (1.4.1888)
Date
1888-04-01
Page
Seite 89 (sequence 17)
Language
German
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89 israelitischen Männerkrankenkasse statt. Herr Z. Eduard Goldschmidt hielt die Festrede. — In Tranüsurt a. W. geht man an den Bau eines neuen israelitischen Versorgungshauses. — In Lübeck soll von der jüdischen Gemeinde ein Asyl für altersschwache Frauen errichtet werden. — Ulm, das bisher dem Rabbinatsverbande Lauphrim angehörte, bildet von jetzt ab eine selbständige'Gemeinde und wird Sitz eines Rabbiners. — Zum Besten eines in Baden zu gründenden jüdischen Waisenhauses hat die unlängst in Tauberbischofsheim verstorbene Frau Johanna Rothschild, geb. Strauß, 10000 Mk. letztwillig bestimmt. Der Gatte der Verstorbenen hat für den Fall, daß das W aisenhaus ins Leben tritt, das Legat um weitere 10000 Mk. vermehrt. — Die jüdische Gemeinde in Berlin erhielt von Herrn Alfred Böhm eine Summe von 100,000 Mk., mit dem Zwecke, aus den Zinsen den aus dem Reichenheini'schen Waisenhause entlassenen Mädchen Mittel zu selbständigem Erwerb respective Unterstützung bei Verheiratung zuzuwenden. — In Dresden kommen aus einer Stiftung des verstorbenen Grafen Bose die Zinsen von 150,000 Mk. jährlich zur Verteilung, als Stipendien an Studierende ohne Unterschied der Religion und Konfession. — Ein statistischer Bericht über die Zwangsversteigerungen auf dem Lande von April 1886 bis April 1887 ergiebt, daß „durch Wucher und Uebervorteilung im Handel" nur 3,09 Prozent der Subhastationen herbeigeführt wurden und dabei ist das Bekenntnis der Wucherer nicht hervorgehoben. Es ist also eine den Thatsachen widersprechende Behauptung, wenn man von der Zugrunderichtung des Landmanns durch Wucherer und nun gar durch jüdische Wucherer spricht. — Der Verlagsbuchhändler August Gotthold in Kaiserslautern wurde wegen Verkaufs antisemitischer Schriften zu einer Geldstrafe von 100 Mk. verurteilt. Gleichzeitig wurde auch die Vernichtung der betreffenden Schriften verfügt. — Am 31. Januar hielt der Pastor von Kürstenberg a. d. Oder, Herr De le Koi, in der Berliner Bockbrauerei einen Vortrag gegen die Juden. Er fürchtet für die Erhaltung des reinen Evangeliums in Deutschland und die Gefahr komme von den Juden. Seiner Ansicht nach haben sich die Juden selbst einen Gott gemacht, der ihnen Alles frei läßt, der ihnen Ehre und Macht gegeben und sie rächen soll gegen alle vermeintliche Unbill. Die Juden sind weder ein sittliches Volk noch ein Volk der Wahrheit, sie sind ein Volk, das ein anderes Gewissen habe wie das christliche. Wenn das christliches Gewissen ist, was Herrn De le Roi zu solchen Auslassungen treibt, so stimmen wir im letzteren Punkte mit ihm überein, denn ein Jnde hat als oberstes Gebot die Liebe znm Menschen tief in sein Gewissen gegraben und wir glauben, darin gleicht dem jüdischen auch das echt christliche unverfälschte Gewissen. — Aus Bielefeld schreibt man uns: Jüngst hielt Herr Lieberman» von Soimenberg hier einen Vortrag über „Was heißt Judenfrage". Die Versammlung zu welcher ein Eintritt von 20 Pf. erhoben wurde, müßte noch in letzter Stunde in ein anderes Lokal verlegt werden, da der Wirth der Herrmannshalle, woselbst sie abgehalten werden sollte, absagte. Als Liebermann begann, über die Juden in schimpflicher Weise zu sprechen, erhob sich der hier zu einem Gastspiele von Detmold aus herbeigekommene Schauspieler Morison aus Wien, und legte Protest ein gegen die Verunglimpfungen des Redners. Als Morison in heftiger Weise den Redner ansprach, ward er von der Polizei aus dem Lokal verwiesen. Als darauf Liebermann die Worte äußerte „die Juden wären eine Schmach für Deutschland", rief eine Stimme: „Kronprinz"!»(Kaiser Friedrich hat nämlich als Kronprinz erklärt, daß der Antisemitismus Stöckers eine Schmach für Deutschland sei.) Liebermann gab darauf hin eine Erklärung, welche von 8

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