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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-04-01 · Heft 4 (1.4.1888) · p. Seite 90

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 4 (1.4.1888)
Date
1888-04-01
Page
Seite 90 (sequence 18)
Language
German
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90 einem solchen Tumulte der Versammlung ausgenommen wurde, daß der Polzei- Jnspektor König sich genötigt sah, die Versammlung zu schließen. BielefeldHat sich somit nicht als günstiger Boden für antisemitische Aussaat bewährt. — In der Rabbinerschule in Budapest wurden am 20. Februar die Herren Di. Blau Dr. Kldmann, Dt-. Kotz», Di. Pinkusfeld und Dr. Schwarz in feierlicher Weise als Rabbiner diplomirt. — In Abdnq wilrde Herr Dr. M" Bajda zum Rabbiner erwählt. — In Giioiigyosniellelr wurde Herr Marcus Schön, ein Jude, zun« Gemeinderichter erwählt. — In Krakau erscheint eine jüdische Zeitschrift mit dem Titel „Krakauer Volkszeitung".— Der Rabbi von Sadagora, Herr Irrieduiann, läßt in der Drohobyczer Zeitung die Nachricht, die durch die politischen Blätter die Runde machte, daß er anläßlich des Jubiläums des Papstes demselben eine prachtvolle Bibel übersandte, durch seinen Privatsekretär widerrufen. — Aus Prag schreibt man uns: Im hiesigen „Afike Jehuda-Verein" wurden in jüngster Zeit folgende Borträge gehalten: Am 14. Januar „Sage und Geschichte aus der Vergangenheit der israel. Gemeinde in Prag" von Dr. Grün, am 1. Februar „der Soeialismus im Talmud" von Dr. Guygenheim in Koli». am 15. Februar „die Erwerbsverhältnisse der Juden in Frankreich im 12. und 13. Jahrhundert" von Dr. porgcs in Karlsbad. — Am 13. Februar hielt Herr Ä. Kopclwitz im Beth-Hamidrasch in Wie» einen Vortrag über „die höheren jüdischen Lehranstalten itt Rußland". — Aus Marienbad schreibt man uns: Das hiesige israelitische Curhospital, welches im Jahre 1861 erbaut und eingeweiht wurde, hat den Zweck, armen jüdischen Curgästen vollständige Verpflegung, Wohnung, Bäder, ärztliche Behandlung unentgeltlich zrr versorgen. Im abgelanfenen Sommer war das Hospital von 69 Personen u. z. 38 Frauen und 31 Herren frequentiert. Unter diesen das Hospital besuchenden Gästen befanden sich 3 Rabbiner, 6 Lehrer, 2 Cantoren, 1 Med. Doctors- Witwe, 1 Rechtsanwalts-Gattin, 3 Lehrers-Gattinnen, 1 geprüfte Lehrerin, 1 Buchhalter u. s. w. Dem Laude nach recrutirten sich die Anwesenden aus Preußen, Deutschland überhaupt, Böhmen, Ungarn, Rußland, Polen und 2 Personen aus Jerusalem. Etwaige Gesuche um Aufnahme in das Marienbader Hospital sind belegt mit einem ärztlichen Atteste sowie mit einem Mittellosigkeitszeugnisse zu richten: An die Direktion des Marienbader israelitischen Curhospitals in Prag. — Aus Battonga berichtet uns Herr Oberlehrer Ägnatz Spitzer: Der große Philantrop K. Maurice Hirsch wird nach seinem ungarischen Gute Morra Szt. Janos übersiedelu und Mitglied des ungarischen Magnatenhauses werden. Die Verhandlungen mit der ungarischen Regierung sind im Zuge. — Der antisem. Abgeordnete Andor Badnaij wurde vom Budapester Preßgerichte wegen einer Ehrenklage zu 2 Monate Arrest und 300 fl. Geldstrafe verurteilt. Charakteristisch für den ungarischen Antisemitisinus war die öffentliche Bekehrung des Angeklagten, als er in seiner Verteidigungsrede seine Parteistellung tief beklagte und — nach seinen eignen Worten: „nicht mehr einer Fraktion angehören will, die Straßentumulte ins Parlament verpflanzt." Hiermit ist den ungarischen Antisemiten der Todesstoß gegeben. — Der jüdische Reichstagsabgeordnete und Publicist Dr. Alexander llllman», beseelt von glühender Liebe für unsere Confession, verfaßte ein Memorandum zur Regelung und Reorganisirung der Judenheit Ungarns. Die Organisirung soll den christlichen Confessionen gemäß auf Gegenseitigkeit und gesetzlicher Recipirung des jüdischen Bekenntnisses basiren. Das erwähnte Memorandum wird an die Regierung, an das Abgeordnetenhaus und an die einzelnen Gemeinden behufs Besprechung ver-

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