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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-04-01 · Heft 4 (1.4.1888) · p. Seite 85

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 4 (1.4.1888)
Date
1888-04-01
Page
Seite 85 (sequence 13)
Language
German
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85 Der erste Eindruck der Gemeindezustände auf dem Lande war verwischt, der zweite Eindruck der Stadtgemeinde aber hat den triiben Prospekt in die Zukunft mir gebracht. Wir dürfen uns nicht wundern, daß bei dem Emporstreben der unteren Schichten zur Gemeinderepräsentanz und zum Vorstand der jüdischen Vereine der niedrige Geist der Unduldsamkeit alles Edle und Bessere zurückstößt. Das geistig Überlegene wird verfolgt mit den fürchterlichen Waffen der rohen Leidenschaft. Das macht es unmöglich, daß Verstand uitb Vernunft die Oberhand behalten. Zeit wäre es, daß die besser Denkenden in Reih und Glied zusammentreten und in geschlossener Reihe die Vorarbeiten für die künftige Generation beginnen würden- —k- Hilonatsschau. Am 20. Februar fand in Berlin der fünfte ordentliche Gemeindetag statt, dem am 19. Februar eine Berathung der Delegirten des A. I. G. B. vorausging. Wir werden auf die äußerst wichtige Thätigkeit dieses Bundes, der unter der tüchtigen Leitung des Herrn Geh. Sanitätsrats 1>r. K. Kristeller steht, im Allgemeinen und auf die Beratungen vom 19. und 20. Februar insbesondere in einem Vortrage im Mendelssohn-Verein zurückkommen und hoffen dadurch das Interesse für denselben in weiteren Kreisen zu beleben. — In Nr. 19. der Mitteilungen des A. Z. G. Bbefinden sich Nekrologe der verstorbenen Herrn Delegierten Justizrat Metz in Bielefeld und Institutsdirektor Wahl in Erfurt. Es wird dann in denselben unter dem Titel „Zur Frage des jüdischen Religionsunterrichtes in Preußen" interessantes Material über diesen Gegenstand vorgeführt. Beigetreten sind dem Bunde 9 Gemeinden, 1 immerwährendes und 18 außerordentliche Mitglieder. Die Gemeinde Iorau ist ausgeschieden. In dem Geburtshause Mendelssohns in Dessau soll eine Freistelle für würdige jüdische Gelehrte vergeben werden. Bewerber müssen das 60. Jahr überschritten haben. Dieselben haben sich an das Büreau des D. I. G. B. in Berlin, Sigismundstraße 5, zu wenden utib den Nachweis genügender Nebeneinkünfte zu liefern, da die gewährten 200 Mk. jährlich zum Lebensunterhalt in Dessau allein nicht genügen. — Am 29. Februar hielt Herr Stadtrabbiner Dr. Steckelmacher aus Mannheim im Mendelssohn-Verein in Frankfurt a. M. einen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Steinheim als Dichter und Religionsphilosoph". Steinheim, seines Berufes Arzt, der Freund Gabriel Riesters, wirkte mit diesem gemeinsam für die Emancipation der Juden. Riesser, der Mann der That, wurde angeregt und ergänzt durch Steinheim, den Mann des Gedankens, der eine geistige Emancipation der Juden nach innen anbahnte, indem er die Offenbarungsidee zum Gegenstände philosophischeil Nachdenkens machte pnd durch die Klarlegung dieses Begriffes weiter anregte, diesen Grundgedanken des Judentums philosophisch zu behandeln. In seinen Gedichten strebte er es an, das gesunkene geistige Selbstbewußtsein seiner Glaubensgenossen zu heben und sie mit Begeisterung für ihre Sendung in der Geschichte zu erfüllen. Der geistvolle Redner verstand es durch lichtvolle Darstellung das Publikum für sein Thema zu erwärmen. — Am 27. Januar wurde der Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars „Fränkel'scher Stiftimg" in Breslau ausgegeben. Voran geht

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