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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-04-01 · Heft 4 (1.4.1888) · p. Seite 79

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 4 (1.4.1888)
Date
1888-04-01
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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79 „Aber die Judenpresse, die verjudeten Blätter sind eine wahre Pest", klagen dieHAntisemiten. „Thatsache ist", erwidert Dr. Schöpf, „daß das jüdische Element in der Journalistik vorherrscht. Jedermann hat den Drang, sich in der Gesellschaft — sei es im kleineren oder großen Kreise — Geltung zu verschaffen. In einem verfolgten, getretenen und gepeinigten Volke ist dieser Trieb noch weit kondensirter. Dem Juden waren nun aber Jahrhunderte hindurch fast alle Geltungsgebiete verschlossen. Nur Literatur und Handel standen ihm offen, und so verlegte er sich denn darauf, und weil er wohl wußte, daß die Tagesliteratur die öffentliche Meinung, von der schließlich die Gestaltung der Dinge abhängt, macht und bestimmt, so wandte er sich zur Journalistik. Für den Journalisten ist die Journalistik eigentlich kein dankbares Gebiet. Man schreibt: „für die Vergessenheit", meint M. Wagner und fügt bei: „Es ist eigentlich ein schreckliches Geschäft, Journalist sein zu müssen. Doch darf man nicht vergessen, daß gediegene Aufsätze weit mehr wertvolles Wissen unter den Menschen verbreiten helfen, als noch so grundgelehrte Traktate, die meist nur in winzigen Kreisen gelesen werden. Und gediegene Aufsätze finden sich auch nur in den jüdischen Blättern." Am Schluffe fragt der Autor: „Wie ist es doch möglich, daß in unserer lieben Saisonstadt Salzburg solch ein unfriedsamer, antikosmopolitischer Bund sich bilden konnte! Es müssen entschieden fremde Elemente sein, die da vorschreien und die auf die gedankenbare, unselbstständige Masse rechnen. Darum sollten alle echten, alten Salzburger zusammenstehen, um diese Elemente zum Schweigen zu bringen! Wie kann man am Ausgange des 19. Jahrhunderts friedliche Mitmenschen, die einem kein Leid zugefügt, einer förmlichen Razzia preisgeben!" Die dritte in diesem Bunde, die ihre Stimme für die Juden erhob, ist keine geringere, als die Gräfin Natalie Ouvaroff, geborene Fürstin Gortschakoff \), eine strenggläubige, griechisch-katholische Christin und dabei eine begeisterte Verehrerin der hebräischen Sprache und der alttestamentlichen Urkunden. Jede Zeile ihrer Schrift atmet freudige Begeisterung für die Tugenden der Inden und sie fordert die Christen zur Umkehr auf, und will, daß dieselben die Wahrheit begreifen und die mit betn Geiste der christlichen Liebe wenig iibereinstimmenden Empfindungen aus ihrem Herzen bannen. Die jüdische Nation, so meint die hohe Schriftstellerin, hat ihr letztes Wort noch nicht gesprochen, man fühlt bei derselben noch einen ganz anderen Pulsschlag als bei dem modernen Heidentum. Es handle sich jetzt darum, die Völker, in bereu Mitte Juden leben, gründlich zu zivilisieren, auf daß die Juden diese Völker achten können. Über wahre Christen oder vielmehr über eine christliche Gemeinschaft würde das Judentum nicht zu siegen vermögen. Unser Materialismus, ruft die Fürstin aus, die der Meinung ist, die jüdische Sittlichkeit stehe unendlich höher als die christliche, unsere ohnmächtige Begier, unsere Laster und unsere rohe Selbstsucht verschaffen ihnen ihren Triumph auf der einen und unsere Schwäche und Selbsterniedrigung auf der anderen Seite. Das jahrhundertelang verborgene Heidentum will ungestüm über das ganze Abendland seinen Siegeszug halten, freilich nicht unter der groben Hülle der alten heidnischen Götter, sondern mit der fast ausschließ- ') Fürstin Natalie Gortschakoff Juden und Christen. Autorisierte Übersetzung mit einleitendem Vorwort von Dr. Adolf Blumenthal (mit dein Bildnis der Verfasserin) Mainz, Joh. Wirth'sche Hof-Bnchdruckerei 1888.

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