Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1888)
- Date
- 1888-04-01
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Sie sagen ferner: „Der Jude arbeitet nicht, er will nur die Frucht von dem verzehren, was sich der Christ im Schweiße seines Angesichts erworben hat, er betreibt weder Bauersarbeit noch Handwerk und beutet die bei ihm bediensteten Arbeiter aus". Die Antwort lautet: „Vorstehende Anklage enthält mehrere Momente, die man einzeln in Betracht ziehen muß. „Die Juden arbeiten nicht." Wenn man nach dem Vorgänge der Sozialisten nur das Arbeit nennt, was der Mensch mittelst seiner körperlichen Kräfte — mit Hand und Fuß — vollbringt, dann ist die Einrede teilweise richtig. Wenn man aber die Thätigkeit mit dem Kopfe, mit der Feder auch als Arbeit gelten läßt, dann zerfällt sie in nichts. In der That ist aber das auch Arbeit, und zwar weit schwierigere und anstrengendere, als mit Schaufel und Sense. Ich wenigstens will lieber drei Stunden hindurch mähen, als eine Stunde schriftstellern. Oder sind denn wirklich alle Lehrer, Professoren, Notare, Advokaten, Kaufleute u. s. w. pure Faulenzer, weil sie nicht mit Rechen und Gabel, mit Haue und Hacke arbeiten? Mit Kopf und Feder arbeitet aber auch der Jude, und zwar mehr, als euch lieb ist, zumal ihr sie ja aus der Journalistik hinausdrängen möchtet. Wenn der Jude die Frucht christlicher Arbeit verzehrt, so ist das Sache des Verkäufers; denn umsonst bekömmt ja der Jude eure Früchte nicht. Steht es denn nicht bei euch, die Früchte eurer Arbeit an den Juden zu geben, wer zwingt euch dazu?" „Der Jude ist weder Ackerbauer noch Handwerker." „Wie lange ist es denn her", fragt der Verfasser, „daß den Juden die Erlaubnis ist gegeben worden, Grund und Boden zu erwerben und ein Handwerk zu betreiben? Ihr wisset es ja. Durch die Assyrer, Babylonier und die Römer sind die Juden von Grund und Boden verjagt worden, so daß ihnen rein nichts überblieb, als der Handel. „Aber", sagen die Antisemiten, „es gibt unter den Juden ein paar gar so arrogante, prahlerische und vorlaute Leute." „Mag sein," antwortet Dr. Schöpf, „ich weiß es nicht, ich habe blos mit außerordentlich Bescheidenen näheren Verkehr. Aber meine Herren! gibt es denn nicht auch unter den Christen anmaßende, vorlaute und protzenhafte Leute?" Eine andere Beschuldigung der Antisemiten lautet: „Aber wenn und so oft du mit einem Juden geschäftlich zu thun hast, bist du beschummelt." Ich kann die Erfahrungen anderer nicht beurteilen, erklärt der Autor, „man müßte ja deren Behauptungen erst auf die Wahrheit prüfen. Was aber meine eigenen Erfahrungen betrifft, so beweisen sie das pure Gegenteil obiger Anklage. Ich habe die Juden in meinem vielfachen Geschäftsverkehre als durchwegs rechtlich, gewissenhaft und pünktlich, ja mitunter sogar als nobel kennen gelernt. Als ich am 19. März 1857, begleitet vom braven Pfarrer Egg, in Augsburg das Papiergeld meiner Schwester und der übrigen Auswanderer zur Auswechslung übernommen, wandte ich mich zuerst an einen christlichen Geldwechsler. Der verlangte jedoch eine so hohe Provision, daß ich gerne abfuhr, wogegen der hierauf angegangene jüdische Bankier fast gar nichts begehrte. „Das sind ja lauter arme Leute", sagte er, „die ihr weniges Geld notwendig brauchen, da muß man schon Rücksicht haben." Dagegen bin ich von christlichen Geschäftsleuten, namentlich auch von den lieben Bauern unzähligem»! angeschmiert und übervorteilt worden: Soweit ich unsere geriebenen Anstauber kenne, gehören sie sammt und sonders der Christenheit an und thun in ihrem Genre, was kreuzmöglich ist."