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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-04-01 · Heft 4 (1.4.1888) · p. Seite 77

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 4 (1.4.1888)
Date
1888-04-01
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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77 So urteilt über den Antisemitismus ein ehrlicher Christ, allerdings ein Mann von unbefangenem Geiste und edler Bildung. Diese eine, wahrhaft christliche Stimme wiegt, wenigstens an geistigem und moralischem Wert, den ganzen Antisemitismus auf. Wir reihen dieser Stimme eine andere an: In Salzburg ist jüngst unter dem Titel: „Antisemitische, zu deutsch judenhetzerische Bestrebungen in der Saisonstadt Salzburg" eine Broschüre erschienen, die den jubilirten Universitätsprofessor und Konsistorialrat Dr. Schöpf zum Verfasser hat. In der Einleitung beleuchtet der Autor die sozialen Verhältnisse Salzburgs, wie sie seit nunmehr fünfzig Jahren bestehen, und wirft mit Verwunderung, mit Bezugnahme auf die jüngsten Bestrebungen die Frage auf: „Ist es denn doch wahr und möglich, daß in Salzburg eine ausgeprägte anti-kosmopolitische Richtung auftauchen und Boden gewinnen kann?" Er fährt dann fort: „Im Jahre 1861 saß zu meiner Rechten im Salzburger Gemeinderat ein Baier, zur Linken ein Schwabe, vor mir ein Mecklenburger und hinter mir ein Tiroler. Und das war gut und ist ein Beleg für meine Behauptung, daß Salzburg einen eminent kosmopolitischen Charakter an sich trägt und daß Toleranz allda heimisch ist. Auch in Religionssachen war die Stadtbevölkerung seit langer Zeit äußerst tolerant und regte sich nicht im Geringsten auf, als vor Jahren ein in Riedenburg wohnhafter Mann förmlich zunr Mohamedanismus übertrat. Und nun plötzlich lese ich von einer judenfeindlichen Gesellschaft — in der Saisonstadt Salzburg!“ Der Verfasser unterzieht hierauf die Argumente der Antisemiten einer ruhigen und unparteiischen Prüfung und fährt fort: „Unsere Bestrebungen," sagen die Antisemiten, „sind nicht gegen die Religion, sondern gegen die Race gerichtet." Herr Dr. Schöpf erwidert: „Wie könnet ihr von der Race sprechen? Dieser „Race" ist die Uroffenbarung Gottes anvertraut worden, diese „Race" war zur Zeit der Völkernacht einzige Trägerin des Glaubens an den einen wahren Gott; dieser „Race" entstanimten die Propheten, welche das Bild des kommenden Messias bis ins kleinste Detail gezeichnet haben, die heiligen Bücher dieser „Race" sind Grundlage und Voraussetzung des Neuen Testanientes. Noch mehr: Aus der jüdischen „Race" ist unser Herr hervorgegangen, dieser „Race" gehört die hochgebenedeite Mutter an, aus dieser „Race" waren die heiligen Apostel, die ersten Christen, Bekenner und Märtyrer — ein Petrus und Paulus. Diese „Race" war im Mittelalter einzige Trägerin einer höheren Kultur auf dem naturwissenschaftlichen Gebiete—die Araber sind ja auch Semiten — und die Vertreibung dieser „Race" hat den rapiden Kulturrückgang in einem Weltreiche, in dem die Sonne nicht unterging, zur Folge gehabt. Die Antisemiten sagen weiter: „Aber die Juden nehmen eine aparte Stellung ein, sind ein Staat im Staate, sie sollen sich amalgamiren und thun wie andere Leute." „Wer anders", antwortet Dr. Schöpf, „hat den Juden die Sonderstellung angewiesen, als eben die Gesetzgebung der Christen? Wenn sich dieses Sondertum vererbt hat, so entspricht das dem Prinzipe eures unfehlbaren Darwin. Daß jedoch dieser Apartismus immer mehr und endlich ganz verschwinden kan», ersieht man in Frankreich, >vo bereits vor hundert Jahren die alte apartische Gesetzgebung über Bord geworfen wurde. Daselbst haben sich auch die Juden mit der übrigen Bevölkerung verschmolzen."

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