Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-03-01 · Heft 3 (1.3.1888) · p. Seite 68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 3 (1.3.1888)
Date
1888-03-01
Page
Seite 68 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2969669-2969754-2969758--2219-2972393
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

68 Beschluß gefaßt Haben, Juden, welche noch das sogenannte „Streimel" an ihrem Haupte tragen, den Eingang in ihr Gotteshaus zu verwehren. Wir glauben nicht daran, denn die Verwaltung ist keine Modekommission und das jüdische Gotteshaus ist „ein Bethaus für alle Völker" und darum nicht minder für „bestreimelte" Glaubensgenossen. — In dem Asylverein der Wiener Universität machten sich seit einiger Zeit antisemitische Tendenzen geltend. Als der Protektor dieser Anstalt Erzherzog Rainer von diesen Untrieben erfuhr, ließ er dem Präsidenten des Vereines die strenge Weisung zugehen, fortan vollkommene nationale und konfessionelle Gleichberechberechtigung walten zu lassen. Der hohe Befehl erzielte eine durchgreifende Wirkung, indem 16 jüdische Studenten in das Asyl ausgenommen wurden. — Im niederösterreichischen Landtage wurde jüngst eine Petition des „Vereins zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen" der israelitischen Cnltusgemeinde, um eine Subvention eingebracht. Unter den Unterzeichneten dieser Petition befand sich auch ein katholischer Priester, Pater Knab; von der Antisemitenpartei des Landtages wegen dieser Handlung angegriffen, verteidigte sich Pater Knab damit, daß sein Beruf als katholischer Priester ihm befehle, überall für Wittwen und Waisen einzutreten. — In Gral; wurde die deutschnationale Burschenschaft „Arminia" aufgelöst, weil in einem Commerse heftige antisemitische und antiösterreichische Reden gehalten wurden. — Die Staatsanwaltschaft in Wien hat die in slavischer Sprache verfaßte Brochüre „Pozor na zidy“ (Achtnng auf die Juden) wegen ihres aufregenden Inhalts eonfiscirt. — Der israelitische Armen- Beteiligungs-Verein in Grah versendet seinen dritten Jahresbericht. Im Verlaufe der beiden letzten Jahre wurden 314 Gaben verabreicht. Der dortige israelitische Frauenverein versendet seinen siebenten Jahresausweis. Es wurden 808 st. eingenommen und ansgegeben. — Der erste israel. Frauenverein in Lemberg, der armen Schülern ohne Unterschied der Confession Mittagessen verabfolgt, hat im abgelaufenen Jahre 1572 fl. 16 Kr. eingenommen. Von Januar bis November 1887 wurden vom Vereine 10347 Mittagsportionen verabfolgt. — Der Krakauer Tierschutzverein versendet ein Circular an die Lehrer Galiziens, worin es heißt: „Landleute, Handwerker, Städter, Juden und andere Volksklassen behaupten, daß das Tier kein Gefühl habe," woraus man ersehen kann, daß dem Verein jede Kenntnis des Judentums abgeht. — Die Wiener „Landwirthschaftliche Zeitung" weist in einem Artikel über den Stand des Ackerbaues im alten Palästina nach, wie äußerst tüchtig auf diesem Gebiete die alten Juden waren und wie man ihrer ausgezeichneten Befähigung für denselben Bewunderung zollen muß. — Die Brochüre der Fürstin Uatalia-Gortschakoff-Ouvaroff „Juif et Chrdtiens“ ist in Paris erschienen. In derselben werden die Tugenden des jüdischen Volkes mit Begeisterung und Verständnis gezeichnet. — Am 13. März 1888 feiert Herr Zaliob Ueifmann seinen siebenzigsten Geburtstag. Derselbe wurde am Neumond Nissan 1818 in einem Dorfe Lanow in Polen geboren. Sein Vater Iebi Hirsch verlor durch einen Brand seine Habe und wurde Lehrer in Gpatoni. Jakob Reifmann zeigte schorr als Knabe hervorragende ungewöhnliche Geistesanlagen und studirte bei Mcir Äharif, einem Rabbinatsassesor in Opatow. Von diesem Lehrer erhielt er viefache Anregung, obwol er außer dem Talmud nur wenige Werke zu Gesichte bekam. Erst als er nach Sjebersin kam, woselbst er sich init der Tochter des Josef Meimon verheiratete, wurde er mit der jüdisch-philosophischen Litteratur vertraut und trieb fleißig Studien auf dem Gebiete der deutschen Philosophie. Er trat, nachdem er deutsche Bildung angenomnien, in Briefwechsel mit Goldberg, Geiger, Ghirondi,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.