Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1888)
- Date
- 1888-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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67 Januar: Soeben kommt ans Kula die telegraphische Mitteilung, daß A. L. Straffer, seit 1860 als Nachfolger Hochmuths Bezirksrabbiner in Kula, Sohn. des weil. Rabbiner Elazar Straffer, gest. den 18. December 1848 in Waag- Neustadt (vergl- Ben-Chananja II. S. 510) gestorben ist. Straffer, früher Bezirkrabbiner in Szarvas, hat einige gute Arbeiten im Ben-Chananja veröffentlicht und um die Hebung der Volkschule sich verdient gemacht. Sein Leichenbegängnis fand am 29. Januar statt. — In Teplih wurde Herr Di-. Adolf Kurrei», bisher in Bielih, znni Rabbiner gewählt, und in Hohenems Herr Dr. Gordon. — In Kittsee wurde Herr Hirsch perles zum Rabbiner erwählt. — Herr Dr. Bofenstock, der aus dem Processe gegen die Ritter'schen Eheleute, die des rituellen Mordes angeklagt waren, weithin bekannt gewordene Advocat, wurde zum Professor der Rechte an der Universität Krakau ernannt. — Man schreibt uns aus Budapest: Wieder hat der „Theologische Verein" der Landes- Rabbinerschule seine erfolgreich begonnene Thätigkeit —■ durch öffentliche Vorträge dem ungarischen Publikum auch das jüdische Schrifttum naher zu bringen — ausgenommen, und hatte für den letzten Tag des Chanukkafestes eine öffentliche Sitzung anberaumt. Als erster Vortrag war „der Prophet Jeremia" von Herrn Emil Hoffmann auf der Tagesordnung. Lebensvoll gestaltete der Vortragende das Bild des großen Propheten, der allen Verhöhnungen, allen Spottreden, aller ihm zugefügten Unbill zu trotz sein lautes Mahnwort erschallen läßt, bis das fürchterliche Verderben über das unglückselige Volk hereinbricht. Und er selbst muß gramdurchwühlten Herzens sein Volk, an das er mit allen Fibern seines Herzens hängt, in Sklavenketten, in Gefangenschaft geführt, die heißgeliebte Stadt in Trümmern, das Heiligtum von roher Feindeshand zerstört, ein Raub der Flammen sehen, und es ertönt sein Klagelied, ein Klagegesang, welchen an Tiefe und Innigkeit noch keiner ttbertroffen. Ins „Paradies der mittelalterlichen Dichter" führte die lauschenden Zuhörer der zweite Vortragende Herr Leopold Kecschkemäti, der von diesen das reiche Phantasiegemälde des Edens, wie es in der Vorstellnng des Mittelalters gelebt, entrollte. Der größte Teil der Vorlesung war der Darstellung des Topheth und Eden Immanuel Horomi's gewidmet, der unter dein Einflüße des Midrasch das unermeßliche Reich des Paradieses gestaltete und es mit seinen Phantasiegebilden bevölkerte- Da glitzerte es voll eitel Dimant und köstlich Edelgestein, da sah man die größten Ahnen und alle Edlen der vergangenen Jahrhunderte als Selige umherwandeln, übergossen von den flammenden Lichtstrahlen der majestätischen Allmacht, und das farbenreiche Bild blendete das Auge, das der Vortragende teils im künstlerischer Prosa, teils in hellklingenden Versen — meisterhafte Uebertragnngen aus dem Originale — hervorzuzaubern wußte. Rauschender Beifall lohnte beide anerkennenswerte Leistungen. — Am 21. Januar hielt in Wien Herr Religionsschulinspector Dr. G. Wolf einen Vortrag über „das poetische und psychologische Moment in den biblischen Erzählungen". — Die fünfactige Tragödie „Zions König" von Alfred Kossig, gelangte auf der Lemberger Bühne zur Aufführung. Der Held des Stückes ist Bar Kochba. — In Groh-Becskerell wurden die Herrn Oberrabbiuer Dr. Klei», Advocat Mangold und Bankdirector Stciniher zu Gemeinderäthen gewählt. — Frau Selma Uicklas-Kempner vom Wiener Confervatorium ist mit der Leitung der Gesangstudien der Frau Kronprinzessin Stephanie betraut worden. — Das Budget der Budapester israel. Religionsgemeinde für 1888 betrügt 241,374 fl. ö. W. Darunter werden 1950 fl. für Jugendgottesdienste verwendet. — In Lemberg soll die Tempelverwaltung den eigentümlichen 6*