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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-03-01 · Heft 3 (1.3.1888) · p. Seite 65

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 3 (1.3.1888)
Date
1888-03-01
Page
Seite 65 (sequence 17)
Language
German
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65 haftet und andere schwere Verbrechen begangen zu haben, zündete man deren Wohnhäuser an. Da ergriff das Feuer der benachbarten Judenhäuser auch die Kirche, wodurch im Thurme die große Stadtglocke zerschmolz und die gemalten Kirchenfenster zur Grunde gingen- (Vergl. Josef Hakohen, Emek Habacha, Edit. Wiener S. 53 u. Schudt, Jüd. Merkwürdigkeiten I, 144 u. IV, 297.) Im Jahre 1379 wurde dann eine neue Uhrglocke auf dem Thurme angebracht, welche nur dazu diente die Stunden zu verkünden. — Man schreibt uils von Frankfurt a. M.: Für jeden Besucher Frankfurts, der die Sehenswürdigkeiten und Denkmäler daselbst besucht, dürfte es nicht minder von Interesse sein, auch das Denkmal der Baronesse G. S. v. Rothschild, Röderberg 97, sich anzusehen. Wir meinen das Hospital für Kranke beiderlei Geschlechts, gestiftet zum Andenken an die früh verstorbene Georgine Sara v. Rothschild, die Tochter des Baron W. v. Rothschild. Das prächtige Gebäude steht in der Mitte eines schönen Gartens. Das Innere ist nach neuester und praktischster Art eingerichtet. Unentgeltliche Aufnahme wird nur denjenigen gewährt, welche zur israel. Gemeinde Frankfurt nicht gehören, z. B. Auswärtigwohnenden, Ausländern u. d. g. und wünscht ein Kranker Aufnahme, so wird ihm diese, falls ein Bett frei ist, gewährt. Unter den Aufgenommenen befinden sich oft Kranke mit chronischen Leiden, denen man zur Heilung laugen Aufenthalt gewährt. Es befinden sich in diesem Hospital 20 Krankenbetten, 10 für Männer und 10 für Frauen, welche in ungefähr 10 Zimmern untergebracht sind. Außer diesen 10 Krankenzimmern sind noch 2 Speisesäle eingerichtet, der eine für Männer und der andere für Frauen. Zur Zerstreuung trägt hier eine reichhaltige Bibliothek bestehend aus hebräischen und deutschen Büchern viel bei. Die allgemeine Behandlung, welche dem Kranken hier zu Teil wird, ist lobenswert und ist die Behandlung der Aerzte eine sehr freundliche; durch ihre Unterhaltung schon mit dem Patienten thun sie an dem letzteren Vieles, indein sie ihm ihre Teilnahme beweisen und Hoffnung einflößen- Der Vorstand kommt fast täglich, sowie er sein Amt erledigt hat, und erkundigt sich bei jedenl Patienten, drückt ihm freundlich die Hand und redet ihm zu Herzen. Von der Verwaltung kann der Kranke sich in Speisen und Getränke erbeten was er will und wird es ihm, wenn es nicht schädlich ist, verabreicht. Jede Woche werden an arme Kranke Schreibmaterial und Postmarken zur Genüge verteilt, damit sie in ihrer Korrespondenz nicht gestört werden. Beim Austritt des Patienten bekommt er, wenn er es braucht, neue Kleider und Schuhe mit und das Fahrgeld in der Richtung nach seinem Bestimmungsorte eine Strecke weit resp. die ganze Fahrt sowie baares Geld nach den Verhältnissen des jeweiligen Kranken. Die oben angeführten Einrichtungen beweisen, wie groß die Wohlthat ist, welche dem Patienten in dieser Stiftung vom Eingang bis zum Austritt gewährt wird. — Aus Uiedersept schreibt man uns: Bei der jüngst stattgefundenen Wahl von 3 Mitgliedern zur Ergänzung des Gemeinderaths giengen zwei unserer Glaubensgenossen aus der Wahlurne siegreich hervor, und zwar wurde der eine, Herr Samuel Weil, fast von sämmtlichrn christlichen Stimmen gewählt. — Nach den neuesten statistischen Ausweisen beträgt die Anzahl der Juden in Deutschland gegenwärtig 366,543. — In Miirlttsch-Iriedlaud wurde am 14. Januar der letzte jüdische Einwohner der Stadt, Herr Simon Baß, in seiner Wohnung tot aufgefunden. Mit ihm ist die jüdische Gemeinde daselbst ausgestorben. In dieser Stadt befindet sich eine Synagoge und ein jüdischer Zvedhof. — Von der „Achama" kamen im abgelaufenen Jahre 9000 Mark zur Erteilung. — Nach dem Jahresbericht der Verwaltung des jüdischen Kurhospi-

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