Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1888)
- Date
- 1888-03-01
- Page
- Seite 64 (sequence 16)
- Language
- German
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64 orientalische Sprachen halten. — Herr War« Livingston in Frankfurt a. M. hat der Gemeinde Walsdorf, in welcher er geboren ist, eine reiche Spende zufließen lassen. Er übergab nämlich dem Bürgermeister die Summe von 50,000 Mark mit der Bestimmung, daß mit den Zinsen dieses Kapitals bedürftige arme und kranke Personen ohne Unterschied der Konfession unterstützt werden sollen. Gleichzeitig sei bemerkt, daß derselbe Herr zu den Kosten der in und an der evangelischen Kirche zu Walsdorf notwendigen Restaurirungsarbeiten im verflossenen Sommer 400 Mark gespendet hat. — In Kielefeld hielten Vorträge Herr vr. Hulisch über „Mendelssohn sein Leben und Wirken" und Herr Dr. Kroner über „die Gesetze der Nichtjuden nach dem Talmud". — In Königsberg will man an den Bau einer neuen Synagoge schreiten. 300,000 Mark sind bereits gezeichnet. — In Breslau hat sich ein „Verein zur Erhaltung eines Jugend-Gottesdienstes" gebildet. Es wird täglich Gottesdienst gehalten und sollen dabei erwachsene Schüler die Funktionen verrichten. — Am 13. Januar starb in Schwerfen; der dortige Rabbiner Herr H. Samier. — Am 16. Januar starb Herr Wolf Cohn, Rabbiner in Baiersdorf, geboren daselbst 1812. Bei feinem Leichenbegängnisse ain 18. Januar hielten die Herr Rabbiner Di-. Neuburger-Fürth vor der aufgebahrten Leiche in der Synagoge und Herr Rabb. vr. Ziemlich-Wrnberg auf dem Friedhofe ergreifende Leichenreden. Am Grabe sagte Herr Repetent Engelhardt von Erlangen ein Schüler des Heimgegangenen: „Als evangelischer Christ stehe ich hier an der Bahre des Edlen um Zeugniß abzulegen, daß ich nicht allein die Thora von ihm vernommen, (Herr Engelhardt war auch wie Herr Prof. Franz Delitzsch ein Schüler des Verstorbenen) daß er mich nicht allein in die Hallen der Wissenschaft eingeführt hat — nein, daß ich etwas von ihm lernte, was mehr werth ist als alles Wissen, und zwar, daß ich Demuth, Bescheidenheit und Nächstenliebe von ihm lernte." — Am 31. Januar starb in Frankfurt a. M. Herr Elias Ullmann, der verdiente langjährige Aktuar der israelitischen Gemeinde. Derselbe war geboren am 20. März 1812 in Frankfurt a. M. Der Verstorbene war ein trefflicher durch seine Tüchtigkeit und Liebenswürdigkeit gleich ausgezeichneter Mann, der sich in den weitesten Kreisen mit Recht großer Beliebtheit erfreute. Er war ein ausgezeichneter Kenner der Geschichte der Juden in Frankfurt a- M., über die er sehr wertvolle Arbeiten veröffentlichte und sind besonders die von ihm entworfenen Stammbäume einzelner Familien Muster sorgfältiger Forschung. Herr Ullmann war auch einer der wenigen noch lebenden Officiere der früheren Frankfurter Stadtwehr. Ein gelungenes Bild des Heimgegangenen, der auch im Kreise der Freimaurer zu hohen Würden gelangte, befindet sich in Herrmann Junkers herrlichem Bilde „das Neumondsgebet am Ende des Jom Kippur“, an welchem er links seitwärts im Totengewande neben Leopold Kompert steht. Wir werden dem uns befreundeten Mann, über den wir noch eine ausführliche Charakteristik zu geben gedenken, ein ehrendes Andenken stets bewahren. — Man teilt uns mit: Die Sturmglocke zu St. Quintin in Main;, die nun 509 Jahre tagtäglich die Stunden verkündete, ließ gestern am 3. Januar Abends 5 Uhr zum letzten Mal ihre Stimme ertönen. Welch eine lange, lange Zeit erinnerte sie ihre Nachbarn an die Vergänglichkeit alles Irdischen, wie so manche Generation hörte auf ihre Stimme, nun ist sie für immer verstummt, wenigstens in ihrer jetzigen Verfassung. Uebrigens hatte es ehedem eine besondere Bewandtnis mit dieser Glocke. Als im Jahre 1348 die Juden von den hiesigen Bürgern beschuldigt wurden, die Brunnen vergiftet, Christenkinder ermordet,' mit Krankheiten die Stadt be-