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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-03-01 · Heft 3 (1.3.1888) · p. Seite 62

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 3 (1.3.1888)
Date
1888-03-01
Page
Seite 62 (sequence 14)
Language
German
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62 „Wen soll ich senden? und wer soll gehn für uns"? und der Prophet spricht: „Hier bin ich"! sende mich"! (Jes. 6—8.) Der Prophet ist also der Gesandte, dem Gott aufträgt, was er zu dem Volke sprechen soll (v. 9). Jereniias hört als Jüngling schon das göttliche Wort, das ihm feierlich seine Bestimmung verkündet und spricht: „Bevor ich dich gebildet im Mutterleibe, habe ich dich erkannt, bevor du bist hervorgegangen aus dem Schooß, habe ich dich geheiligt, zum Propheten der Völker habe ich dich gemacht. (Jerem. 1, 5.) Wohin Gott ihn sendet, dahin soll er gehen, was der Herr ihm aufträgt, das soll er sprechen, (v. 7.) Ebenso werden (Jerem. Cap. 23.) die falschen Propheten geradezu dadurch charakterisirt, daß sie Eigenes vortragen und nicht das, was da kommt aus dem Munde Gottes (v- 16), daß sie gelaufen sind, ohne daß Gott sie gesendet, daß sie geweissagt haben und der Herr mit ihnen nicht geredet hatte (v. 21). Besonders aber wird der am meisten aus der Abstraktion der Begriffe und Gedanken in die concrete Vorstellung wirklicher Bilder und äußerlich hervortretender Handlungen herabsteigende Ezechiel hierüber jeden Zweifel lösen. Nachdein ihn die furchtbare Erscheinung „von der Gestalt der Herrlichkeit Gottes" in banger Ehrfurcht niedergeworfen hatte, erhob ihn der Geist des Herrn, indem er ihm sagte: „Ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu den widerspenstigen Völkern, die widerspenstig sind wider mich.sie sollen wissen, daß ein Prophet war unter ihnen (Ezech. 2, 2—5). Er muß essen die Bücherrolle, die der göttliche Geist ihm darreicht, er muß körperlich gleichsam das göttliche Wort in sich aufnehnien, das er Israel und den widerspenstigen Völkern verkünden soll; die Mitteilung des Herrn, mit welcher er als Prophet ausgesendet wird unter die Völker, und was er diesen verkünden soll, er muß es vorher von Gott nehmen in sein Herz, er muß es von Gott selbst gehört haben mit seinen Ohren. (Cap. 3, 10 u. 11.) Der Prophet ist, wie dies wieder gerade von Ezechiel so schön dargestellt wird, der „Wächter", der von der Höhe seiner Wacht die weit unten handelnden irdischen Geschlechter vor der Ankunft des Feindes warnen, das göttliche Gesetz ihnen verkünden, und was er aus dem Munde der Herrn hört, dem Volke anzeigen soll. (Ezech. Cap. 3 u. Cap. 33.) Gott verhängt nichts, er habe denn vorher seinen Rathschluß diesen warnenden Wächtern, den Propheten, offenbart — Er redet — wer wollte nicht prophezeihen? (Amos 3, 7 u. 8.) Außerdem wird die Prophetie überall in der heiligen Schrift als „Wort Gottes" bezeichnet, wodurch also der Prophet gleichsam als „Träger" des göttlichen Auftrags erscheint. Aber schon die sprachliche Bezeichnung des Propheten „Nabi", welche am häufigsten von denselben vorkommt, besonders von den Propheten in der vollendetsten Entwickelung, führt zu demselben Resultate. Mag nämlich das Wort mit der Wurzel „Nab" zusammenhängen und eigentlich Sprecher heißen, oder sonstwie erklärt werden, so viel steht fest, der Prophet ist ein Redner im Namen Gottes oder vielmehr der Dolmetscher, der Interpret und Erklärer der ihm von Gott für die Menschen gewordene Offenbarung. Dies Letztere geht auch besonders aus der Bibelstelle (2. B. M. 7, 1) hervor, wo Gott dem Moses Pharao gegenüber gleichsam die Rolle des „Elohim“ zuweist, d. i. nicht eines Herrn wie Onkelos übersetzt (s. auch Raschi) sondern Gottes selbst, wie Spinoza richtig erklärt.

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