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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-03-01 · Heft 3 (1.3.1888) · p. Seite 52

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 3 (1.3.1888)
Date
1888-03-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 bei dem hohen Standpunkte, den sie eingenommen, doch immer nur Männer ihres Volkes geblieben sind. Wenn sie von der Aufgabe Israels sprachen, von seinem Bestände inmitten der Völker, von seinen Leiden und seineil Vergehungen, von seinen Geschicken und seinen Hoffnungen, von seinem Elend und seiner dereinstigen Erlösung, da konnte Niemand sich ihnen in den Weg stellen, das, was sie geredet, bestreiten und in Zweifel ziehen, da waren sie die Weisen und Verständigen, die im vollen Besitze der klaren und rechten Erkenntnis sich befanden. ' Israel haben sie gekannt, das Herz ihres Volkes lag wie ein offenes Buch vor ihren Augen und sie haben darin auch zu lesen verstanden, aus ihm herauszulesen die Zeichen der Zukunft, die Geschicke, die an Israel im Laufe der kommenden Jahrhunderte und Jahrtausende sich vollziehen werden. Aber nicht so haben euere Propheten auch die anderen Völker gekannt, von denen sie dennoch so viel sprechen, so weit hat ihr Seherblick nicht gereicht, daß er die ganze Welt uinfaßte, über alle Menschheit sich erstreckte und wenn sie die Gebiete des Völkerlebens, die ihnen ferne lagen, betreten wollten, da ist die göttliche Erleuchtung nicht nachgefolgt und so sind sie ihnen auch dunkel geblieben. Schlage einmal, sprach er jetzt weiter zu R. Elieser, das Buch Maleachi ans. Dieser Seher, der die Reihe seiner Vorgänger beschließt, der an dem Sternenhimmel der Propheten als letztes Licht Israels aufgestrahlt ist, die ganze Weisheit, Erfahrung und Überlieferung seiner Vorgänger in sich ausgenommen hat, ihre Reihe beschließt und daher als das Siegel des prohetischen Geistes anzusehen ist, steht uns der Zeit nach am Nächsten. Als er auftrat, war Israel bereits ans seiner Verbannung zurückgekehrt, stand es selbst in seinem Heimatslande unter fremder Herrschaft und um seiner Selbsterhaltung willen war es wie heutigen Tages noch dazu geneigt und darauf angewiesen, in den Kreisen der Völker, von denen es abhängig, unter denen es auch schon zerstreut war, sich heimisch zu machen, sie zu beobachten und kennen zu lernen. Bei Maleachi, dem Propheten jenes Zeitalters, sollte man daher ein richtiges Urteil über die Völker, ihren weltgeschichtlichen Beruf und ihr zukünftiges Geschick am ehesten voranssetzen dürfen. Nun wie spricht Maleachi, dieser sonst so tiefblickende, wahrheitsvolle Seher von Edom, oder wie ihr diesen Namen deutet, von dem römischen Reiche'? Welches ist die Zukunft, die er ihm vorhersagt? Du kannst ja die Stelle mit eigenen Augen lesen, da steht es klar und deutlich geschrieben. „Sie werden bauen und ich werde einreißen", ich werde zerstören, was sie geschaffen und gegründet haben. Ist das auch eingetroffen? Jahrhunderte sind dahingegangen,' Weltreiche sind von der Erde verschwunden, mächtige Völker ausgestorben und in das Grab der Vergangenheit dahingesunken und Rom steht heute noch auf seinem Platze. Als die Königin des Erdkreises thront die stolze Siebenhügelstadt auf ihren Bergen und ihrem Scepter gehorcht die Welt, die Völker des Ostens und des Westens folgen ihren Befehlen. Der Karthager stieg über die Berge, der Syrer durchschiffte die Meere, aus seinen 4 finsteren Wäldern stürmte der Gallier heran, um dem mächtigen Rom die Spitze zu bieten, den Todesstoß zu versetzen, aber wo sind sie, die Brennus, Antiochus und Hannibal, die auf den Trümmern der ewigen Stadt ihre Siegessäulen aufrichten, ihre Weltherrschaft gründen wollten und wo ist ein Reich auf Erden, das sich uns nicht hätte ergeben und unterwerfen müssen? Und von diesem gewaltigen siegreichen und inachtvollendeten römischen Reiche, das so unüberwindlich, unerschütterlich dasteht, das einen Baustein an den andern gefügt hat, bis es auf dem festen Grunde seiner inneren Macht bis zur Höhe der J

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