Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1888)
- Date
- 1888-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969754-2969757--2190-2972363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
40 ist. Die Herren Lazar Cassvan, Jakob Psantir, I. D. Bally und Joseph Weißberg, haben sich durch ihre an das Gelingen der Mission gesetzte Thätigkeit verdient gemacht. In zweiter Reihe koinmt das Material der mündlichen Ueberlieferungen. Wir können den Wert und die Wichtigkeit dieses Materials nicht in Abrede stellen, müssen jedoch beachten, daß sie nur relativ sein können. Wenn die Kritik schon bei authentischen Akten, Dokumenten und Mitteilungen aus der gegenwärtigen Zeit genötigt ist. Vorbehalte zu machen und sie nur mit Vorsicht aufzunehmen, um so eher bei Traditionen; diese erfordern von unserer Seite eine noch gewissenhaftere Behandlung. Wir müssen demnach die Quelle, aus der wir irgend eine Information bekommen, die Möglichkeit, welche jene Person gehabt, die Thatsachen zu erfahren, kennen und selbst dann betrachten wir sie noch nicht als Beweise für Dasjenige, auf dessen Grund die Vergangenheit unter einer sichern Form mit ausgenommen werden kann; sondern blos als wahrscheinliche Anzeichen. Aber auch diese bescheidene Rolle der Traditionen ist für die Mühe, welche uns ihr Sammeln machen muß, nicht zu gering, denn sie können uns auf einige Fakten, Personen oder historische Momente aufmerksam machen, uns auf die authentischen Quellen leiten, auf die wir sonst nur schwerlich gekommen wären; sie müssen ferner als ein Antrieb zum Sammelu der zu ihrer Bestätigung nötigen Beweise angesehen und gewürdigt werden. Sind einmal die Akten gefunden, welche das Erzählte bestätigen, dann wird die Tradition ihrerseits zur Ergänzung und Beleuchtung jener Fakten dienen. Die traditionellen Mitteilungen können uns selbst dann vortreffliche Dienste leisten, wenn wir sie auf Grund einer eingehenden Kritik prüfe» können: wenn sie nämlich den Umständen, dem Charakter und der Natur jener Personen oder Zeiten entsprechend befunden werden. Endlich müssen wir beachten, daß der Wert einer Tradition in hervorragender Weise von dem Gegenstände abhängt, von welchem sie handelt. Ist von Ereignissen die Rede, dann können sie sehr schwanken, wenn hingegen von Allgemeinheiten, von Einrichtungen und Gebräuchen, können sie von einer unzweifelhaften Genauigkeit und Gewißheit sein. Haben wir einmal die Bedeutung des traditionellen Materials für die Ergänzung der Fakten und Feststellung der historischen Wahrheit kennen und schätzen gelernt, dann müssen wir uns bestreben, dasselbe, je eher je besser, zu sammelu und es vom gänzlichen Untergange durch Erlöschen der vergangenen Generationen, der Zeugen und Kenner so vieler Thatsachen und Ereignisse, zu retten. W o n a 1 s s ch a u. Der Mkndelvsoljii-Uerei» in Iranlrturt a. M. hat seine Winterthätigkeit begonnen. Am 6. December fand die erste Monatsversammlung statt. In derselben hielten Vorträge die Herrn Dr. Adolf Brüll und Refrendar Ä. Blau und zwar ersterer über „Treu und Frei" von Prof. Lazarus und letzterer über die judenchristliche Bewegung in Rußland. In dieser Versamnilung gelangte das Dankschreiben des Ehrenmitgliedes Herrn Prof. v>. Graeh in Breslau für das