Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1888)
- Date
- 1888-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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38 Frauen, ein sog. „Weiberbuch" heraus, dessen Anfang inan nicht ohne Rührung lesen kann: „Meine lieb Tochter sieh' mt merk' eben auf, was ich dich da tu lernen; werstu mir folgen, werstu leben in züchten un eren" Thatsächlich hat in dem der deutschen Nord oft mark zunächst gelegenen „Halbasien" gerade der jüdische Stamm sich eine Sittenreinheit, eine Widerstandsfähigkeit gegen slavische Barbarei und Koruptiou, sowie Reproduktionskraft in geistiger Beziehung bewahrt, die ihm aus diesem Exil heraus noch eine große kulturelle Mission versprechen, wie ja auch Moses Mendelssohn einst an dieses Element anknüpfen konnte. Wie es mit diesem fast 700 jährigen Exil in geschichtlicher Beziehung steht und welcher Art diese eventuelle Mission sein kann, wollen wir demnächst erörtern. Geistiges Leven unter den Juden in HLumänien. n. Das Material, welches zur Realisirung unseres Werkes beitragen kann, besteht in geschriebenen Quellen, archäologischen Ueberreste», mündlichen Ueberlieferungen oder Traditionen, in litterarischen, den erleuchteten Köpfen der Nation entsprungenen Denkmäler» und in den Erzeugnissen der Beobachtungen und der Imagination des Volkes, welche von Mund zu Mund lebendig zirkulieren. Die Wichtigkeit der geschriebenen Ueberli eferungeu und insbesondere der amtlichen Dokumente und Aktenstlicke hervorzuheben, ist fast überflüssig. Auf diese müssen wir unser Augenmerk richten, jedoch mit Berücksichtigung mehrerer Umstände, die uns dazu dienen sollen, ihren Wert und den Ort zu bestimmen, welchen wir ihnen einräumen können. — Je vielfältiger, verschiedenartiger und gleichzeitiger die Quellen sind, desto sicherer können sie, kritisch gesichtet werden und uns zu dem unternommenen historischen Werke dienen. Die Feststellung der Echtheit ist eine der Hauptaufgaben der Kritik und wir müssen uns vor Schlingen in Acht nehmen, welche einige Juteressirte den wahrheitssuchenden Forschern zu stellen versuchen. Eine nicht minder wichtige Aufgabe der Kritik ist es, den Grad der Glaubwürdigkeit festzustellen, welcher jedem Aktenstücke, jeder Stelle znkoinmt, besonders denen, die einen privaten Charakter haben, wie auch den von Chronisten, Reisenden oder irgend einer andern Art Schriftgelehrten mitgeteilten Fakten. Wir müssen darüber ins Klare kommen, ob das mitgeteilte Faktum, dessen wir uns bedienen wollen, in Verdacht gezogen werden könne oder nicht, ob die Erzählung nicht etwa ausgeschmückt oder gar entstellt sei. Ist die Echtheit der Akten einmal festgestellt und sind wir über den Wert des Inhalts im Klaren, dann können wir alle Angaben frei benutzen oder zu dessen indirekten Anzeichen, deren Tendenzlosigkeit ersichtlich ist, unsere Zuflucht nehmen. Vom Gesichtspunkte der Authenticität und der Glaubwürdigkeit betrachtet, sind die Fragen, welche in den unter dem generischen Namen der „Schaaloth Utheschuboth" Responsen oder rabbinischen Konsultationen bekannten Werken enthalten sind, für die Geschichte der Jude» Rumäniens sowohl wie für die anderer Länder, sicherlich eine der kostbarsten Quellen.