Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1888)
- Date
- 1888-02-01
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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33 Sohn? und hierauf die Antwort erhält: ich bin Esan, dein Erstgeborener, ich habe gethan, wie du mir geboten, — begnügt sich Isaak nach Josephus, obwohl er etwas Besonderes an der Stimme seines Sohnes merkte, ihn zu betasten und da der Arm sich rauh anfühlte, spricht er, ohne weiter etwas Arges zu vermuten, den Segen über ihn aus. Auch der Kunstgriffe, die Jakob anwandte, um je nach der mit Laban getroffenen Verabredung die Geburt weißer oder gesprenkelter Schafe zu bewirke», thut Josephus keine Erwähnung, ebensowenig des sittlichen Vergehens seines ältesten Sohnes. Moses, der Stifter der jüdischen Religion, der von dem jüdischen Volk als Muster und Vorbild angesehen wird, muß in jeder Beziehung vorwurfsfrei dastehen, auch nicht des geringsten Fehlers darf er geziehen werde», auch nicht der kleinste Makel darf das hellleuchtende Tugendbild trüben, das sein Leben uns darbietet. Wohl erzählt uns die heilige Schrift in ihrer Wahrheitsliebe, daß auch Moses wie jeder Sterbliche hie und da der Sünde seinen Tribut entrichtet, daß er vom Zorn übermannt, den Egypter, der einen Hebräer mißhandelte, erschlagen, daß er in die göttliche Verheißung, das Volk Monate lang in der Wüste mit Fleisch zu versorgen, in einer Anwandlung von Kleingläubigkeit Mißtrauen gesetzt, daß er am sogenannten Haderwasser entgegen den göttlichen Befehle den Felsen geschlagen habe und wegen dieses Vergehens nicht in das gelobte Land gekommen sei. Josephus übergeht alle diese Begebenheiten mit Stillschweigen, er fürchtet, daß die Römer hieraus hätten Kapital schlagen und aus der Unvollkommenheit des Begründers der jüdischen Religion einen Grund mehr hätten ableiten können, über das Judentum geringschätzig zu denken. Ueber die Sünden der Israeliten in der Wüste spricht er zwar ausführlich und hebt die Langmut und Selbstverleugnung ihres Führers Moses mehrmals hervor; doch weiß er sehr geschickt über Alles hiuwegzugehen, was als ein direkter Abfall von Gott, als Gottesleugnung oder Gotteslästerung aufgefaßt werden muß. Daß sie, wie die Bibel betont, Gott geradezu versucht hatten, indem sie, von Wassermangel gepeinigt, ausriefen: „ist denn der Herr in unserer Mitte oder nicht?" läßt Josephus unerwähnt, und der schwersten Sünde Israels, der Anbetung des goldenen Kalbes, wenige Wochen nach der sinaitischen Offenbarung gedenkt er mit keiner Silbe; er fürchtete tvohl, seinem Volke hierdurch ein gar zu schlechtes Zeugnis auszustellen und den Vorwurf der Gottlosigkeit, den man gegen es erhob, und den er au mehrereil Stellen seines Werkes als einen völlig unbegründeten zurückweisen zu müssen glaubte, durch die Erzählung von der Anbetung des goldenen Kalbes zu bekräftigen; auch spielt Ahron, der nachmalige hohe Priester, bei diesem Akte keine besonders rühmliche Rolle; allen diesen Unannehmlichkeiten und Verlegenheiten weicht Josephus aus, indem er eine so wichtige, von der Bibel im 2. Buche Moses ausführlich mitgeteilte Thatsache, auf welche Moses im Döuterouomium noch einmal tadelnd zurückkommt, einfach verschweigt. «Fortsetzung folgt.)