Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1888)
- Date
- 1888-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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34 - per Werein jüdischer Heistlicher in Amerika. ' Die halbjährige Versammlniig der .Icvisb Ministers Association of America tagte am 28. 1111b 29. November. Sie ging in jeder Beziehung höchst befriedigend von Statten. Die Sitzungen wurden in der zum Tempel Ahavath Chesed (Dr. Kohut's) gehörenden Halle abgehalten. Nach einem kurzen Gottesdienste und den nötigen Formalitäten eröffnete der Präsident, Rabbiner Dr. Gustav Gottheil, die Verhandlungen mit einer lüngern Ansprache, in welcher er unter Anderm auf den Mißbrauch hinwies, der mit sogenannte» Prinzipien getrieben wird. Der Redner betonte, daß die Heiligkeit solcher Grundsätze nicht erhöht, sondern verletzt werde, wenn man dieselben nur als Mittel braucht, friedliches Zusammenwirken zu verhindern. Jeder solle sich erst selbst genau prüfen, ob das, was er mit dem Namen eines Prinzips beehrt, auch wirklich diese Bezeichnung verdiene. Er sprach seine unbedingte Achtung vor Ueberzeugungen aus, wie weit sie sich auch von den seinigen entfernen mögen; allein der wahre Probirstein der Aechtheit läge nicht in dem, was man von anderen fordert, sondern in dem was man selbst dafür zu opfern im Stande und Willens sei. Nächstdem forderte Dr. Gottheil noch engern Anschluß aneinander, wahrhaft brüderliche Hnlfeleistungen, Austausch von Gedanken und Erfahrungen, sowie auch gelegentliche Gastpredigten, damit der Prediger auch einmal andere Gesichter sehe als die, die ihm das ganze Jahr zugewandt sind, oder auch — andere leere Plätze; und anderen Kritiken sich unterwerfe. An geschäftlichen Mitteilungen machte er folgende: Die Zahl der Mitglieder beläuft sich jetzt auf 60, die größtenteils den östlichen Staaten angehören. Der Süden hat seinen eigenen Verein, dem jetzt 25 Mitglieder angehören. Der Westen hat sich bis jetzt zu gleicher Vereinigung noch nicht ermnntert. Für den von der Gesellschaft ausgeschriebenen Zunz-Preis ist eine Arbeit eingegangen, die aber zu spät eintraf, um über das Resultat schon diesmal berichten zu können. Das Komitch dem die Verbesserungen in der staatlichen Ehegesetzgebung anvertraut worden, ist noch in Thätigkeit. Das im vorigen Jahre promulgirte Ainendement hat sich nicht als genügend erwiesen und bedarf fernerer Verbesserungen, welche sicherlich durchgeführt werden werden. Das von der Gesellschaft autorisirte Gebetbuch für das Haus, welches die vorhandenen Ritus ungestört läßt, ist im Drucke und wird binnen Kurzem erscheinen. Die beträchtlichen Drnckkosten werde» von dem Präsidenten und Sekretär vorgeschossen. Die nengegründete Professur für Rabbinische Litteratur an der Columbia-Universität, zu welcher Dr. Richard Gottheil erwählt wurde, verspricht eine erfolgreiche Entwicklung. Das jüdische Seminar in Newyork setzt seine Thätigkeit fort, wiewohl die zu Gebote stehenden Geldmitttel noch nicht hinreichen, die höheren Klassen zu eröffnen. Herr Rabbiner Dr. I. Silverman aus Galveston, Texas, der zur Abhaltung von einigen Predigten im Temple Emanuel eingeladen wurde, begrüßte die Versammlung im Namen der südlichen Gesellschaft, die zu gleicher Zeit tagte, mit herzlichen Worten, die lauten Beifall fanden. Wie bekannt, beschränken sich die Sitzungen nicht ans praktische^ Fragen, sondern werden auch als Mittel zu geistigen Anregungen verwandt. Sie bilden eine kleine jüdische Akademie, die an die größer» des frühen Mittelalters erinnern. Eine Reihe gediegener Arbeiten, die vorgetragen wurden, bewies den