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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-02-01 · Heft 2 (1.2.1888) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 2 (1.2.1888)
Date
1888-02-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 zu welchem die einzelnen Bestandteile ans dem Garten der reichen orientalischen Phantasie zusammengetragen waren. Wie wir vorhin gesehen, wurde in den palästinischen Lehrhäusern mit der Schriftforschung auch die Ausschmückung des von der Bibel meist in schlichter, einfacher Form Dargestellten verbunden, und die im Volksmunde lebenden Sagen wurden allgemein für wahr gehalten und standen hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit in ebenso hohem Ansehen wie die biblischen Erzählungen selbst. Und wenn auch Josephus der kritische Sinn nicht gänzlich abgesprochen werden kann — denn er hat mehrmals in sehr gesunder, vernünftiger Weise Kritik geübt — so war er doch viel zu sehr ein Kind seiner Zeit, als daß er an der Wahrheit und Zuverlässigkeit solcher Angaben hätte zweifeln sollen, er besaß zu viel naive Gläubigkeit, um an das, was er in der Jugend aus dem Munde seiner Lehrer vernommen, und was mit seinen religiösen Vorstellungen eng verwachsen, ja ein Teil seines Glaubensschatzes geworden war, den strengen Maßstab historischer Forschung zu legen, und wenn er nun vollends in den Werken griechischer, chaldäischer, egyptischer und phönizischer Schriftsteller, die er bei Abfassung seiner Altertümer mit Vorliebe uni Rat fragte, und die ihin in den großen Bibliotheken Roms zur Verfügung standen, Andeutungen vorfand, die jenen sagenhaften Erzählungen zur Stütze dienen konnten, dann schwand bei ihm jedes Bedenken hinsichtlich ihrer Richtigkeit und es nimmt keinen Anstand, sie als historische Thatsachen zu bezeichnen. Mitunter jedoch regt sich in ihm sein kritisches Gewissen, er ist mit sich selbst uneinig und sucht sich dann etwa mit folgenden Worten zu salvieren: „Uebrigens verdenke mir Niemand, daß ich dies so ausführlich behandle und bis ins Einzelne mitteile, ich habe versprochen, Alles, was ich in den Schriften Anderer über die Geschichte unseres Volkes vorfinde, uiederzuschreiben, nichts hinzuzufügen und nichts wegzulassen. Ein Jeder mag ja hierüber denken wie er will." Diesen letzteren Zusatz macht er ziemlich oft, auch da, wo er einfach die Bibel abschreibt, wo er aber fürchtet, bei den Römern ein ungläubiges Lächeln oder eine spöttische Bemerkung über die abergläubigen Inden hervorzurufen. Da hält er es denn in seiner Charakterschwäche für geraten, durch eine so zu sagen freigeistige Notiz dem abfälligen Urteile der Heiden vorzubeugen. Mit der Versicherung mm, daß er nur als treuer Uebersetzer und Zusammensteller angesehen sein wolle, die er öfter, als es sich für einen wahrheitsliebenden und vertrauenswürdigen Mann geziemt, wiederholt, ist es nicht gar zu ernst zu nehmen. Verschwiegen hat er genug von dem, was ihm bekannt war, uiib der Vorwurf der Fälschung, der mit Fug und Recht gegen einen Jeden erhoben werden muß, der absichtlich einmal Wesentliches und Wichtiges verschweigt, und das anderem«! Unwesentliches und Nebensächliches in breitester Weise und mit selbstgefälliger Ausführlichkeit wiedergiebt, dieser Vorwurf bleibt ewig an ihm haften und wird auch durch die Rücksicht auf die dermaligen Zeitverhältnisse und auf den löblichen Zweck nicht gemildert. Ich lasse hier diesbezüglich einige Proben folgen. Um Jakob, der als Esau verkleidet, auf Geheiß der Mutter den Segen des blinden Vaters erschleichen will, nicht als einen offenbaren Lügner erscheinen zu lassen, kürzt er den biblischen Bericht gerade an der entscheidenden Stelle. Während in der Bibel Isaak die ausdrückliche Frage stellt: wer bist du mein

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