Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1888)
- Date
- 1888-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 der natürlichen Wirkung auf die göttliche Ursächlichkeit zurückzuführen sei, bezweifelt er nicht im Geringsten." In dieser Weise wäre die hier gegebene Erklärung der Prophetie mit den andern oben angeführten Stellen in völliger Uebereinstimmung. Damit wäre auch der scheinbar umgekehrte Weg der Denkthätigkeit bei den Propheten, den Maimonides hier angiebt, indem er statt von den Phantasiebildern von der thätigen Vernunft ausgeht, da nur diese als reingeistige Kraft mit dem göttlichen Geiste in Verbindung gesetzt werden kann, ohne daß dadurch der natürliche Gang des Denkens seinen Weg verläßt, auf die einfachste Weise erklärt. Kehren wir nun zu unserer Aufgabe zurück, die Prophetie »ach den Aussprüchen der Bibel selbst zu erfassen, so werden wir wohl erkenne», daß sie Ausfluß Gottes sei, dabei aber in Betreff des Wie uns bescheiden müssen. (Fortsetzung folgt.) Ikavius Josephus und die heilige Schrift. Von I)i\ Vogelstein m Stettin. (Fortsetzung.) Vespasian behandelte ihn mit großer Milde, ja fast mit Auszeichnung, und schon dieser Umstand muß genügen, die gegen ihn erhobene Beschuldigung eines geheimen Einverständnisses mit dem Feinde als erwiesen zu betrachten, denn er war der Einzige von allen Gefangenen, während des ganzen Krieges, der sich einer solchen Gunst zu erfreuen hatte. Das Märchen, das er selbst uns auftischt, er habe die Begnadigung dem Umstande zu verdanken gehabt, daß er Vespasian seine Erwählung zum Römischen Kaiser als Nachfolger Nero's prophezeit habe, wird schwerlich Glauben finden, Vespasian hat sicherlich ihm nur seine auch in seiner Eigenschaft als römischer Feldherr bewiesene Römerfreundlichkeit vergotten. Josephus lebte von jetzt au in Rom und wurde von den beiden ersten flavischen Kaisern mit Gunstbezeugungeil aller Art überhäuft und nahm auch zu Ehren seiner Gönner den Namen Flavins an. Mail wird unwillkürlich durch das Leben und die Schicksale des Josephus zu einem Vergleiche zlvischen ihm und dem Manne angeregt, der den Untergang des ersten Tempels und beu Fall Jerusalems durch Nebukadnezar mit angesehen. Auch Jeremias hatte von vornhereiir die Größe der Gefahr erkannt, in die das Reich Juda sich durch seinen Abfall vom Chaldäerkönige stürzte, er hatte im prophetischen Geiste die Katastrophe heranliaheii sehen, die über das Heiligtum und das Haus David hereinbrach. Darum ließ er seine warnende Stimme erschallen vor dem Kriege und ivährend des harten Kampfes, riet unaufhörlich zur Uebergabe der Hauptstadt und ließ sich iveder durch Drohungen, noch durch Spott und Hohn und Verwünschungen, noch endlich durch Akte der brutalsten Gewalt bewegen, in das allgemeine Losungswort einzustimmeu und den Verzweiflungskampf als ein Gott wohlgefälliges Werk zu bezeichnen. Aber nicht Bewunderung der chaldäischen Großmacht, nicht eine Vorliebe für das emporblühende babylonische Reich bestimmte sein Handeln, und noch viel weniger dachte er daran, seine eigene Zukunft zu sichern und sich bei dem Sieger in ein günstiges Licht zu stellen. —