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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-02-01 · Heft 2 (1.2.1888) · p. Seite 26

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 2 (1.2.1888)
Date
1888-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 Ansichten der Philosophie, oder statt objektiv in der heiligen Schrift niedergelegter Wahrheiten subjektive Meinungen zu Grunde gelegt werden. Wissenschaft und Religion, beide in ihren tiefen Wahrheiten erfaßt, können und werden sich zwar nie widersprechen. Sie sind beide in ihrem innersten und tiefsten Wesen höchstens verschiedene Formen, verschiedene, zu einem und demselben Ziele führende Wege- Dies gilt jedoch mir von der Wissenschaft in des Wortes wahrem und reinem Sinn: Des Gewißwerdens nämlich des Gegenstandes, der also nur mit und in der Geschichte in ihren geheimen, alles Tiefe berührenden und in das innerste Wesen eingreifenden Gängen znsammenhängen und bestehen kann. Subjektive Ansichten dagegen sind von jeher ein Hindernis der Vereinigung gewesen, und können, da sie mit der Geschichte und Religion, diesen beiden sich gegenseitig ergänzenden Faktoren des geistigen Lebens, in keinem Gleichheitsverhältnisse stehen, kein positives Resultat abgeben. Unternehmen wir mm, von diesen Grundsätzen geleitet, zunächst die Lösung der Frage, was die Prophetie der Form nach sei? Ehe wir jedoch in unserer Untersuchung weiter gehen, wollen wir zuerst die Ansichten einiger großer Shnagogenlehrer kurz in's Auge fassen. Nach Jehuda Halewi ist die Prophetie ihrem innersten Wesen d. h. der Form nach unmittelbare Mitteilung Gottes (Khnsari I. 87). Diese göttliche Mitteilung wurde aber den Propheten nicht in Folge ausgezeichneter Verstandesausbildung, sondern durch eine innere geistige Intuition; das prophetische Wissen ist nicht ei» diskusives Denken, kein auf demonstrativem Wege erlangtes Wissen; (I, 89, 91, 95 vergl. auch V, 14). Diese in dem Wesen der Prophetie des antiken Geistes überhaupt tief begründete Wahrheit — wie wir die Annahme unseres Verfassers nennen könne», und wenn wir auch die Intuition nicht als eigentliches Mittel der Gottesoffenbarung gelten lassen tvolle», da sie jedenfalls eine wichtige Rolle in der Prophetie spielt — diese Wahrheit ist der eigentümlichste Gedanke unseres Verfassers. Die Propheten heißen daher bei ihm die Männer des Schauens (IV, 17), die eigentlichen Seher, weil sie die Wahrheit nicht auf dem Wege oft blos vermeintlicher und daher irreführender Beweise, sondern durch unmittelbare Anschauung erkannt haben und die Verbindung Gottes mit den Propheten wird deshalb das göttliche Licht genannt (I, 103). — Bei den Worten, welche die Propheten von Gott hörten, ist jedoch nach dem Verfasser des Khnsari nicht an eine von Gott gebrauchte sinnliche Sprache zu denken. Das göttliche Wort, welches die Propheten hörten, bedarf nicht sinnlicher Organe. Es könnte die Luft, die in das Ohr des Propheten drang, durch Gottes Allmachtswort in Buchstaben gekleidet worden sein, welche den Inhalt der Offenbarung ansmachen (I, 89). So waren auch die übrige», nur dem Auge des Propheten sichtbaren Erscheinungen, für die die Ausdrücke „Herrlichkeit Gottes" n. s. w. gebraucht werden, gleichsam aus der feinsten Sinnlichkeit gewobene Hüllen der geistigen Formen, wie auch das Wort Gottes sich in das Minimum der Sinnlichkeit, in die, wenn auch hörbare, so doch unsichtbare Sprache hüllte. Dieses bedeute auch die Bezeichnung Ruacli hakodesch; eigentlich heiliger Windhauch, weil die göttliche Offenbarung sich dem Propheten gleichsam in einem leisen Windhauche knndgab. (I, 89. 91. II, 4.) Mit einem verborgenen Sinn gleichsam, mit welchem Gott den Propheten begabt hat, sieht dieser die Erscheinungen, aus welchen der Verstand den geistigen Inhalt heransliest. (IV. 3.) Zn diesen allerdings sehr fein gesponnenen subtilen Annahme» hat unseren Verfasser die Schwierigkeit ge-

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