Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1888)
- Date
- 1888-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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PoxMii - tmsäenarfraftticfy o rr it t st* IH11 e ** 5iir ZZetehlung ü6er bas Judentum für Gebildete aller Konftfsionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von Dr. Adolf Briil l. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes.! 8. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Februar 1888. Nummer 2. Die Iiorm der Uropßetie. Bon vr. E. Grünebaum, Bezirksrabbiner in Landau. „Die heilige Schrift aus ihr selbst zu erklären" diesen von Spinoza zuerst deutlich ausgesprochenen Grundsatz sollen auch wir an die Spitze unserer Untersuchung. Mit diesem Ausspruche aber darf der Sinn nicht verbunden werden, daß das Einzelne in der heilige. Schrift nicht aus der Kenntnis der Zeiten und der Orte, in und auf welchen die in ihr auftretenden Personen gehandelt und ihre Erscheinungen sich abgespielt haben, erkannt werden müsse, wie eine jede derartige Auffassung .der Bibel ängstlich verwerfende Glaubensweise jenen Satz strenge nehmen möchte. Ebensowenig darf damit der! Sinn verbunden werden, daß eine historische Vergleichung der in der Bibel be-; handelten Institutionen und Gebräuche mit ähnlichen anderer Völker ausgeschlossen sei. Denn Zeiten und Orte sollen nur das in der heiligen Schrift dunkel Angedeutete, aber doch immer in ihr Enthaltene aufhellen und erklären;! sie müssen uns den Weg ebnen, um das Gegebene in seiner wahren Bedeutung zu erfassen. Die Vergleichung mit den Institutionen und Gebräuchen des übrigen Altertums aber ist schon deshalb notwendig, weil die. heilige Schrift nicht auf einmal, sondern auf dem Wege der Geschichte ihre Wahrheiten lehrt, die Geschichte aber niemals als abgerissene Besonderheit bei den einzelnen Völkern, sondern nur in ihrer Gesamnitheit, in ihrem Zusammenhänge mit dem weltgeschichtlichen Geiste, allerdings mit Beachtung des besonderen Typus, der ihr bei den einzelnen Völkern aufgedrückt ist, erkannt und begriffen werden kann. Es dürfen daher niemals statt des einzig sichern Maßftabes der Geschichte