Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 Wona 1 sschau. Aus alleil Teilen des deutschen Vaterlandes sind uns Berichte über abgehaltene Bittgottesdienste für das Heil und die Genesung Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit unseres allgeliebten Kronprinzen Friedrich Wilhelm zngegangen. Es liegt eine Wolke der Betrübnis über ganz Deutschland, die ihre Schatten weit über die Grenzen unseres Vaterlandes breitet und Alles, Alt und Jung, Hoch und Nieder, wetteifert in Kundgebungen der Liebe und Anhänglichkeit für den erlauchten Fürsten, der der Stolz und die Hoffnung Deutschlands ist. Mögen die Worte des Gebetes, die aus tausend und abertausend bangen Herzen für sein kostbares Leben zu Gott empordriugen,Erhörung finden und möge dem erlauchten Kranken Genesung werden. — Von der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde in Miiiiche» sind die Reden, welche Herr Rabbiner vr. Josef Perles zum Abschiede von der alten und zur Einweihung der neuen Synagoge am 10. und 16. September 1887 hielt, als Manuskript herausgegeben worden. Der gelehrte Redner verwebte in seine gehaltvollen Reden'geschichtliche Mitteilungen, die jüdische Gemeinde München betreffend. Im Jahre 1826 wurde die alte Synagoge unter persönlicher Beteiligung weiland Sr. Majestät des Königs Ludwig I. und seiner erlauchten Gemahlin Therese eingeweiht. Wir erfahren aus diesen Reden auch, daß die Stadt München zum Zeichen ihrer Teilnahme einen Beitrag zu den Baukosten der herrlichen Synagoge spendete. Möge die Gemeinde München unter Leitung des Herrn vr. Perles, der eine Zierde der Rabbiner ist, immer mehr an Gottesfurcht und Erkenntnis wachsen! — Die Graeh-Feier wurde am 31. Oktober in Breslau unter großer Beteiligung von Nah und Ferne in herrlicher Weise begangen. Es wurden dem verdienten Manne neben einer prachtvoll ausgestatteten Jubelschrift 13,000 Mk. übergeben mit der Bitte, er möge nach seinem eigenen Ermessen mit dieser Summe eine Stiftung, die seinen Namen führen soll, ins Leben rufen. Neben der Jubelschrift erschienen noch folgende Festschriften: 1) Anecdota Oxonensia von Adolf Uenbauer in Orford, 2) Treitel, die Alexandrinische Uebersetzung des Buches Hosea, 3) Frankl-Grün, Vergleichung der biblischen Parallelen und Varianten, 4) Kippner, Prof. vr. Graetz, eine biographische Skizze. — In Dalle starb am 8. November Herr vr. Schloitmann, Professor der Theologie daselbst. Auf dem Orientalistenkongresse in Leiden war er es, der anfforderte, feierlich zu erklären, daß die gegen die Juden auftauchenden Blutbeschuldigungen als elende Verleumdung gebrandmarkt werden mögen. — Der in Bonn verstorbene Rechtsanwalt vr. jur. Los. Wells hat der Stadt Düsseldorf 50,000 Mk. testamentarisch zugewiesen. — Herr Ferdinand Drichcnheim aus Berlin hat seiner Vaterstadt Belnbnrg 8000 Mk. ausgesetzt, deren Zinsen alljährlich am 20. Oktober an zwei christliche und zwei jüdische Familien verteilt werden sollen. — Am 3. Oktober starb in Fegersheim Herr Rabbiner Singer, früher in Dambach und Prerau. — Am 15. Oktober starb in Erfurt plötzlich der Direktor der dortigen höheren Handelsfachschulen Herr vr. phil. Morih Wahl im Alter von 59 Jahren. Er war 10 Jahre hindurch erster Vorsteher der jüdischen Gemeinde. - Am 26. Oktober wurde in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin eine Gedenkfeier für den verstorbenen Dozenten vr. Franlll gehalten. Die Rede hielt Herr vr. Äoel Müller, voran gieug eine Ansprache des Herrn Prof. Slrinthnl, zuin Schluffe sprach Herr Kalischer, ein Schüler der Anstalt. — Am 7. November wurde in Berlin der königliche Kommissionsrat Gerson Bernstein, ein bekannter Buchhändler