Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Nächstenliebe verleugnend — und dennoch nirgends Ein- und Fürsprache irgend welcher Gesamtvertretnng. Wir haben eben keine, und kein Körper, der Leben hat und erhalten will, kann des Central-Organs entbehren. Das Judentum ist lebensfähig, aber die Organisation fehlt ihm und ohne diese hat es nur ein indifferentes, bewußtloses Fortbestehen, kein thätiges und wirksames Leben Den bisherigen Bestrebungen unserer Gesamt-Verbände soll nicht Anerkennung, Wert und Notwendigkeit abgesprochen werden; aber das Bedeutungsvollste, was not thut, fehlt, ein Verband, welcher die religiösen, politischeil und sozialen Interessen des gesamten Israel pflegt und vertritt. Fangen wir doch einmal im kleinen Kreise damit an, die Weiterbildung wird nicht fehlen, die Erweiterung nicht ausbleiben. R. ßi»l Wrief des Landgrafen von Kessen an Dr. Mchas in Kassel. Mein lieber Herr Doktor! Aufs neue werden Sie mir erlauben, mich bei Ihnen für den Landrabbiner Dr. Heß in Lengsfeld verwenden zu »vollen, damit Sie sein Anliegen unterstützen möchten und ihn zum Landrabbiner nach Kassel in Vorschlag zu bringen. Ich brauche Ihnen seine Verdienste nicht erst bekannt zu machen. Sie kennen ihn und wissen, daß er in jeder Hinsicht zu empfehlen ist. Da diese Stelle nun bald besetzt werden wird, so habe ich es jetzt für den schicklichsten Augenblick gehalten, um Sie zu bitten, diese Sache zu betreiben. Indem ich hoffe, keine Fehlbitte gethan zu haben, sehe ich einer gütigen Antwort entgegen und bin stets Mein lieber Herr Doktor Dero dienstwilligster Philipsthal am 13. 7bre 1833. Ernst Landgraf zu Hessen Philipsthal. Keinrich Keilte ülier den Antisemitismus. Ein noch ungedrucktes Gedicht Heine's teilt Herr Prof. C. M. Müllner in „Schorer's Familienblatt" mit, das so recht Zeugnis giebt für die Wahrheit des Satzes, daß der echte Dichter für die Ewigkeit schreibt; angesichts heutiger Verhältnisse hätte Heine auch nichts Treffenderes schreiben können. Es lautet: Drei Dinge haben hier im Leben Macht; Der Neid, die Hoffahrt und die Niedertracht; Doch wenn sie Dich auch noch so schön bespucken Am Ende wirst Du sie zu Boden ducken! Verloren aber bist Du auf der Welt, Wenn sich die Dummheit Dir entgegenstellt; Sie setzt Spinoza hinter Löbel Pi'utus, Und hat die Weisheit aller Zeiten intus. Sie lacht wie ein Kretin Dir ins Gesicht Und lästert Alles, nur sich selber nicht; Und nichts bleibt übrig Dir vor diesen: Viehchen, Als sacht' Dich in Dich selber zu verkriechen.