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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-01-01 · Heft 1 (1.1.1888) · p. Seite 13

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (1.1.1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 währende Bekämpfung der Stämme unter einander statt, welche bis auf die häuslichen Reibereien unter den Kinder» Jakobs znrückgeht und zur Teilung des Reichs sich steigerte. In der Diaspora war an eine zentralisierende Gesamt- Einigung nicht zu denken, aber es war ehedem wenigstens ein geistig-religiöses Band gleicher Gotteserkeuntnis und einigender Menschenliebe vorhanden, welches Israel zusammenhielt. In der Gegenwart sind die Gemeinden Israels in der nächsten Nähe und Umgebung getrennt und oft in sich gespalten; jede hat ihren besonderen Gottesdienst,' ihren getrennten Begräbnisplatz und ihre Kultusbeamten und -Einrichtungen abgeschlossen für sich. Dadurch wird der Zusammenhang und das Zusammenhalten noch schwieriger, die Zersplitterung noch größer gemacht. Kleine und Mittel-Gemeinden entbehren die Kultusbeamten und -Einrichtungen gänzlich oder haben sie nicht vollständig; dadurch werden sie der Auflösung und dem Untergänge um so schneller entgegen geführt und nahe gebracht, denn ihre jetzige Existenz ist kein Leben im Judentum zu nennen, ihr Dasein ist nur ein Vegetieren. Wenn vordem auch die Centralbehörde fehlte, so gab es doch ehemals größere und kleinere Kreise des Zusammenhangs; es gab sogenannte Muttergemeinden (ir waem bejisrael), Gemeinden mit kennzeichnenden und unterscheidenden Gebräuchen, an die man auch in naher und weiter Umgebung festhielt, nicht so sehr ihrer Bedeutung wegen, als um ei» Mittel und Kennzeichen der Zusammengehörigkeit zu haben. Man hatte auf diese Weise ein religiöses und soziales Band der Einigung und des Zusammenhalts. Es ist anders geworden: Die Gemeinden sind getrennt, sogar vielfach in sich gespalten; nirgends ein Anhalt- und Einigungspunkt. Wie das religiöse Leben in Israel, so ist auch der Gottesdienst kein einheitlicher mehr. Wie der Prophet ehemals dem Volke vorwarf: „So viel deiner Städte, Inda, so viel sind auch deine Götter," so könnte man heute fast ähnlich über die Arten von Gottesverehrung und die Zahl der verschiedenen synagogalen Gebetbücher klagen. Die Einzelnen wie die Gemeinden denken und handeln in religiöser Beziehung verschieden und sondern sich von der Gesamtheit ab. Davor warnen schon die Alten: „Sondre dich nicht vom Ganzen" und die Neuen: „Schließ an ein Ganzes dich an!" Haben Thora und Talmud die einigenden und zusammenhaltende Kraft nicht mehr, der Schulchan Aruch, den man dazu vielfach verwendet, hat sie noch weniger. „Jüdische Gotteserkenntnis und jüdische Nächstenliebe" lautet die Inschrift der Fahne, unter der sich das heutige Gesamt-Israel ohne Ausnahme sammelt, aber selbst dafür fehlen uns die Fahnenträger, welche dem gesamten Israel voranschreiten, denen das gesamte Israel folgt. Wie viele sammeln zu wohlthätigen Zwecken oft enorme Summen, aber fast Niemand in Weisen und zu Zwecken, welche von allen als richtig und notwendig anerkannt werden! überall Spaltung, Zersplitterung, keine Einheit. Verschiedene Länder haben if)re spezielle Centralbehörde, aber keine umfaßt das gesamte Israel. Die .Alliance in Paris nennt sich zwar universelle, aber sie hat nur einzelne Mitglieder im Israel des universellen Erdenrunds, ihre Tendenzen sind jedoch beschränkt, nicht umfassend und universell. Für das religiöse und kulturelle Leben thun sie grundsätzlich alle nichts, weder für Hebung noch Einheitlichkeit desselben; ebensowenig geschieht aber auch für das politische und soziale Leben der Juden, weder für Beschützung noch Besserung desselben. Ueberall gewahren und erfahren wir noch religiöse und soziale Anfeindungen, antisemitische Hetzereien, russische, rumänische und marokkanische Verfolgungen, — oft schaudererregend, weder Vermögen, noch Leben schonend, Bildung und Gerechtigkeit verhöhnend, Menschenrecht und

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