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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-01-01 · Heft 1 (1.1.1888) · p. Seite 7

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (1.1.1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 Mehrere Jahre soll er auch Jünger eines Essäers gewesen sein und nach der strengen essäischen Lebensweise sich nur von Feldfrüchten genährt haben. Sein Wissensdurst war aber durch die bloße Beschäftigung mit der in Palästina üblichen Bibelforschuug auf die Dauer nicht zu befriedigen; in den Schulen und Lehrhäusern zu Jerusalem pflegte man nämlich an die einzelnen Schriftverse exegetische Bemerkungen, moralische Betrachtungen anzuknüpfen, und vor Allem die in der heiligen Schrift erzählten Ereignisse durch Legenden zu erweitern; sodann wurden durch Urgierung einzelner Wörter und Buchstaben, durch Anwendung von Analogien und logischen, mitunter auch spitzfindigen Schlußfolgerungen und Zuhilfenahme sogenannter Ableitungsregeln, die von dem im ersten Jahrh. vor Ehr. lebenden Hillel eingeführt waren, neue Gesetze entwickelt; das Alles geschah jedoch mündlich und pflanzt«'sich im Wege der Ueberlieferung vom Lehrer auf den Schüler fort. In Egypten hingegen, in welchem die Kenntnis des Hebräischen unter de» Juden nur äußerst mangelhaft war, und woselbst man sich fast ausschließlich des griechischen Bibeltextes der Septuaginta bediente, war eine ganz andere Schriftforschung in Uebung, hier pflegte man zu allegorisieren und durch religionsphilosophische Deutungen die biblischen Lehren zu erweitern. Der hervorragendste Vertreter dieser Richtung war der berühmte Hellenist Philo, ein älterer Zeitgenosse des Josephus, dessen Schriften damals viel gelesen wurden. Josephus, vom Wissensdurst getrieben, wandte sich nun ebenfalls der griechischen Litteratur zu; es kostete ihm dies nach eigenem Geständnisse zwar sehr viel Mühe, und besonders fiel ihm die Aussprache des Griechischen so schwer, daß er sie sich nach jahrelanger Beschäftigung mit derselben nicht aneignen konnte; aber durch beharrlichen Fleiß brachte er es schließlich, wenn auch nicht gerade zur Meisterschaft, so doch zu einer bedeutenden Fertigkeit hierin, und keiner seiner Landsleute konnte sich auf diesem Gebiete mit ihm messen. Im 26. Lebensjahre hatte Josephus Gelegenheit nach Rom zu reisen, um sich für die Freilassung zweier gefangener Pharisäer zu verwenden. Durch Vermittelung eines jüdischen Schauspielers wurde er bei der den Juden sehr gewogenen Kaiserin Poppaea eingeführt und seine Sendung war von Erfolg gekrönt. Allein er kehrte als ein Anderer nach Jerusalem zurück; der Aufenthalt in der Weltstadt war für die Entwickelung seines Charakters entscheidend. Der Glanz des römischen Kaiserhofes, die Großartigkeit der römischen Staatsinstitutionen und so vieles Andere, was seinen erstaunten Blicken sich darbot, blendete ihn so sehr, daß er von dieser Zeit an ein Bewunderer der Römer geworden und Zeit seines Lebens geblieben ist. Dem jüdischen Glauben blieb er zwar von ganzein Herzen zugethan und war von ungeheuchelter Verehrung für ihn erfüllt; aber die Vorliebe für die römische Politik und das Verlangen, in den Augen der vornehmen Römer Geltung und Bedeutung zu erlangen, brachte einen inneren Widerspruch in ihm hervor, dessen er sich selbst wohl niemals voll bewußt geworden ist, der ihn aber ganz und gar beherrschte und von dem er als Staatsmann wie als Schriftsteller beeinflußt wurde. In damaliger Zeit bildeten Judentum und Römertum schroffe Gegensätze; Roms Arm lag mit erdrückender Schwere auf dem geknechteten Judaea, die Landpfleger, welche die römische Macht in Palästina vertraten, waren wie die meisten Römer von Haß gegen die jüdische Nation und Religion erfüllt und

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