Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 ließen kaum eine Gelegenheit vorübergehen, die religiösen Institutionen des Judentums zu verhöhnen und die nationale Empfindlichkeit der Juden zu verletzen. Daß der unnatürliche Zustand, der weder Krieg noch Frieden bedeutete, nicht mehr lange würde bestehen können, daß es zu einer blutigen Auseinandersetzung mit Rom kommen mußte, daß ein Kampf auf Leben und Tod unausweichlich geworden, das leuchtete jedem klar denkenden Politiker ein. Nicht nur die Zelotenpartei, welche den Ausbruch des Krieges, der ihr als ein heiliger galt, mit Ungeduld erwartete, sondern auch die Partei der Gemäßigten, welche die Entscheidung mit den Waffen möglichst lange hinausgeschoben zu sehen wünschte, empfand einen unüberwindlichen Haß gegen die Unterdrücker der Volksrechte, gegen die Verächter und Verspotter des jüdischen Gesetzes. Josephus stand mit seiner Vorliebe für Rom durchaus vereinzelt da, hütete sich auch dieselbe laut werden zu lassen, ja, er verstand es als Meister in der Verstellungskunst seine wahren Ansichten so geschickt zu verbergen, daß selbst tonangebende Mitglieder der Zelotenpartei sich täuschen ließen, daß ihm, dessen Tüchtigkeit, Gewandtheit und Umsicht allgemein bekannt war, nachdem einmal die Würfel gefallen, die wichtigste Stelle, die man zu vergeben hatte, das Amt eines Statthalters und Oberfeldherrn in Galliläa übertragen wurde. Freilich hatten die Juden schon nach ganz kurzer Zeit Veranlassung genug, die getroffene Wahl zu bereuen; denn von vornherein hat Josephus in dem jüdischen Kriege eine zweideutige Rolle gespielt; aus Raneune gegen die seiner Oberleitung unterstellten Zelotenführer ließ er sie des öfteren, wenn sie angegriffen und in Bedrängnis geraten waren, im Stich, benutzte die sich ihn« darbietenden Gelegenheiten, den Römern zu schaden, nur in äußerst lässiger Weise und verübte solch schreiende Ungerechtigkeiten, daß endlich der hohe Rat zu Jerusalem seine Absetzung beschloß und ihn durch eigens entsandte Delegirte zur Niederlegung seines Amtes aufforderte. Josephus aber wußte viele Wochen hindurch den Abgesandten auszuweichen, zog von einem Orte zum andern, damit sie ihn nicht finden konnten, ließ inzwischen durch seine Getreuen sich bei dem galiläischen Volke als den unschuldig Verfolgten darstellen und bewirkte, daß eine große Deputation hoch angesehener Galliläer sich nach Jerusalem begab, um sein Verhalten zu rechtfertigen und in der That eine Wiedereinsetzung in seine Würde durchzusetzen. Doch das falsche Spiel setzte er, wenn auch mit mehr Vorsicht, fort, und ihm ist es vornehmlich zuzuschreiben, daß die galiläischen Bergfestungen von Verteidigern entblößt wurden und eine nach der anderen in die Hände des Feindes fielen. Nach heldenmütiger Gegenwehr war Gabara erstürmt worden und jetzt rückte das römische Heer vor Jotapata, in welche Stadt auch Josephus gekommen war, um den Widerstand zu leiten; doch die Erfolglosigkeit der Verteidigung einsehend, wollte er die Stadt wieder verlassen, die Einwohner hinderten ihn jedoch daran. So mußte er sehr gegen seinen Willen in der eingeschlossenen Festung ausharren, die durch den Verrat eines Ueberläufers überrumpelt wurde. — An 40,000 Streiter wurden von den Römern niedergemacht und von den wehrlosen Frauen und Kindern wurden nur etwa 1000 geschont, die als Sklaven verkauft wurden. Josephus hatte sich mit 40 Kriegern in eine Cisterne geflüchtet, und als