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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-01-01 · Heft 1 (1.1.1888) · p. Seite 6

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (1.1.1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Darum begrüßen wir freudig die in den letzten Jahren von jüdischen und christlichen Gelehrten eifrig wieder aufgenommenen Versuche, Flaviüs Josephus auf seine Quellen zu prüfen und die Grundsätze zu erforschen, von denen er sich, namentlich bei Abfassung seines Hauptwerkes, der jüdischen Antiquitäten, hat leiten lassen. Mannigfache Jrrtümer, die früher allgemein verbreitet waren, sind schon richtig gestellt worden, manche Zweifel sind bereits einer positiven oder negativen Gewißheit gewichen, und wenn es auch noch nicht möglich ist, zu einem abschließenden Urteile zu gelangen, so ist durch die bisher gewonnenen Resultate doch schon so viel erzielt worden, daß die Behauptung, Josephus habe historische Thatsachen geradezu gefälscht und wider besseres Wissen aus tendenziösen Gründen die Unwahrheit berichtet, sich in ihrer Allgemeinheit nicht mehr aufrecht halten läßt. Auch die bislang unentschieden gebliebene Frage, wie groß oder wie gering das Ausmaß seiner Kenntnisse in der hebräischen Sprache und griechischen Litteratur gewesen, läßt sich jetzt schon mit ziemlicher Sicherheit beantworten, und endlich ist die Existenz einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Interpolationen nnd Zusätzen, sowie von Abschreibefehlern, Randbemerkungen und willkürlichen sogenannten Verbesserungen nachgewiesen, welche bisher das Verständnis erschwerten und die Bildung eines gerechten Urteils verhinderten. Der Schwierigkeiten bleiben freilich immer noch sehr viele übrig und diese erwachsen zum großen Teile aus der Unklarheit der religiösen und politischen Stellung, welche Josephus zu den unter seinen Glaubensgenossen verbreiteten Parteien und zu deu Römern eingenommen hat. Ein kurzer Abriß des Lebensganges unseres Autors und der verschiedenen Entwickelungsphasen, die er durchlaufen, eine gedrängte Auseinandersetzung der Methode, nach welcher in den palästinensischen und alexandrinischen Lehrhüusern die Schriftforschung betrieben wurde, ist daher unerläßlich, um das Verhältnis des Verfassers der Antiquitäten zu der heiligeil Schrift einigermaßen richtig zu erfassen. Joseph ben Mathia, das ist sein eigentlicher Name, wurde um das Jahr 37 ii. Ehr. zu Jerusalem geboren, er entstammte einer angesehenen priesterlichen Familie und soll von weiblicher Linie mit dem makkabäischen Hause verwandt gewesen sein. So behauptet er nämlich selbst in der von ihm verfaßten vita, von anderer Seite tvird dies jedoch bestritten, und da er — das sei schon hier bemerkt — in Bezug ans seine eigene Person sehr wenig glaubwürdig ist und an einer krankhaften Eitelkeit leidet, so ist es sehr wohl inöglich, daß er die Verwandtschaft mit der ehemaligen Königsfamilie nur erfunden hat, um sich dadurch ein recht vornehmes Gepräge aufzudrücken. Er erhielt eine sorgfältige Erziehung und gründlichen Unterricht in jüdischer Wissenschaft, so daß er als 14 jähriger Knabe schon seine Mitschüler überflügelte und endlich solche Autorität erlangte, daß die Priester sowohl als die Vornehmsten der Stadt in rituellen Frage» bei ihm sich Rat erholten und über den tieferen Sinn der Gesetzesvorschriften sich von ihm belehren ließen. Man hat auch diese Nachricht vielfach angezweifelt und für Prahlerei gehalten, aber die Uebereinstimmung oder doch die Äehnlichkeit mancher Erklärungen des Josephus mit den in der jiidischen Tradition und nur in dieser, enthaltenen Interpretationen und Erläuterungen spricht für die Richtigkeit dieser Behauptung.

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