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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-01-01 · Heft 1 (1.1.1888) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (1.1.1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 und geistiger Vervollkommnung eine stets regere Beteiligung zu Teil werden. Fest leite uns auch im achten Jahre des Bestehens dieses Blattes, die Göthe'sche Devise - Was bringt in Schulden? Harren und Dulden! Was bringt zu Ehren? Sich wehren! 8. Alavtus Josephus und die heilige Schrift. Von Di-. Bogelstein in Stettin. Viel bewundert und viel geschmäht wurde in alter wie in neuer Zeit der Verfasser der jüdischen Antiquitäten und des jüdischen Krieges Flavins Josephus. Auf der einen Seite schlug man seine Bedeutung so hoch an, daß man ihn durch Errichtung eines Standbildes in Rom und durch Einreihung seiner Werke in Roms öffentliche Bibliothek ehrte, auf der anderen Seite häufte man die größten Schmähungen ans ihn und bezeichnete den von seinen Verehrern sogar als griechischen Livins gepriesenen Schriftsteller als einen parteiischen, höchst unzuverlässigen Kompilator oder als einen Historiker von außerordentlich subjektiver Färbung, dessen Subjektivität von der schlechtesten Art sei, der nicht blos ein gedrücktes, sondern ein verwundetes Gewissen habe. Er verdiene wegen seiner absichtlichen Entstellung der Thatsachen gar nicht zu den Geschichtschreibern gezählt zu werden, ihm gebühre vielmehr der Name eines Fabulators, und Alles, wofür nicht noch anderweitig Zeugnisse vorliegen, sei geradezu in entgegengesetzter Weise, als es von Josephus berichtet ist, darzustellen., Und in dieser Verurteilung begegnen einander wiederum nicht nur heidnische und christliche Autoren, sondern auch die eigenen Volksgenossen stimmen zum Teil rückhaltslos in das Verdammungsurteil ein, wie z. B. der Bibelexeget und Staatsmann Don Jsak Abrabanel. aus dem 15. Jahrhundert, der von Josephus behauptet: „In vielen Dingen entstellte er die Wahrheit, selbst da, wo die heiligen Bücher uns noch vorliegen, um bei den Römern Gunst zu erlangen, wie ein Sklave sich dem Willen seiner gestrengen Herren fügt." So schwankt denn bis auf den heutigen Tag die Meinung über einen, was den Umfang seiner Werke anlangt, überaus fruchtbaren Schriftsteller, der unter Anderem auch solche Partieen der Geschichte behandelt, aus welchen uns sonst gar keine oder doch nur fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Denkmale erhalten sind, der uns äußerst wertvolle archäologische Notizen hinterlassen, und in den vornehmsten und tonangebenden Kreisen der jüdischen und der römischen Welt heimisch, uns wie kaum ein Zweiter aus eigener Wahrnehmung wichtige Aufschlüsse über das soziale Leben, über Sitten und Anschauungen seiner Zeitgenossen zu geben vermochte. Und es ist wahrlich kein müßiger Streit; von dem Ausfälle desselben hängt für die Altertumsforschung sehr viel ab; ist bei Josephus auch nur die subjektive Wahrheit vorhanden, so bilden seine Schriften eine wahre Fundgrube, die an Wissenswerten« eine reiche Ausbeute liefert und aus «velcher ein erhellendes Licht in die verschiedensten Gebiete der Kultnrent>vickel««ng des orientalischen Altertmns dringt; muß ihm die Wahrheitsliebe aberkannt werden, so wird die Nebelhülle, die uns den Ausblick in mairche abgelegene Partieen einer nntergegangenen Welt erschwert, kaum jemals beseitigt werden können.

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