Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Das heutige moderne Judentum ist nicht niehr das von einem Nationalgeiste ausschließlich beseelte Judentum. Jenseits des Oceans, unter günstigeren freieren Verhältnissen, hat sich auch ein freieres, vom modernen Bewußtsein erfülltes Judentum gebildet, welches nicht mehr das nur reale, optimistische Judentum Schopenhauers ist, sondern auch alle Ideale, wie die Unsterblichkeitslehre — nach Kant und Schopenhauer das Zeichen einer höheren Religion — lebendig in sich trägt. Wer will dem sich so entwickelten Judentum sein Recht, seine Existenz bestreiten! Wir treten offen mit ihm, wie es in dem Geiste eines jeden modernen, gebildeten Juden lebt, in die Schranken, und fordern im Namen derselben unser Mitgliedsrecht in der Gesellschaft! Wie Du Bois Reymond — keltischen Ursprunges und nach seiner Herkunft aus der französischen Schweiz, halb Franzose, — wie er sich selbst nennt, dennoch ganz in dem germanischen Charakter deutscher Nationalität aufgegangen ist, so vermag auch der gebildete Jude sich dieser Nationalität, der er seinem Denken und seiner Bildung nach angehört, sich anzufügen. Nur in der Entwicklung unserer Lehre, nur im Ausbau des weltumfassenden prophetischen Geistes liegt unser Heil, unser Erfolg, liegt auch das Streben dieser Blätter! Eben weil wir nicht zu jener beschränkten, alles Große, Edle und Fortschrittliche verspottenden Zunft gehören, die gleichgültig und indolent auch gegen die gerechtesten Anforderungen und Borwürfe sich verhält, bekämpfen wir niit Entschiedenheit jede Bemängelung und Verkümmerung des ewigen, sittlichen, weltumfassenden Gehaltes des Judentums, wie es aus prophetischem Geiste hervorgegangen ist. Ein neues, entwicklungsfähiges, der modernen Anschauung Rechnung tragendes Judentum ist entstanden; nur Verblendete, nur Leute, denen, wie der Prophet sagt, das Herz verfettet ist im Genuß des Lebens, die Ohren taub sind gegen wohlgemeinte Ratschläge, die Augen verhüllt gegen die eigenen Mängel und Fehler, können das verkennen! Die beste Widerlegung aller gegen uns erhobenen Beschuldigungen und Vorwürfe unserer Gegner — es ist festes Anschließen an eine Standarte, festes Schaaren um ein Zeichen, welches unsere Regeneration, unseren Aufschwung, unser entschiedenes Eintreten in den Strom moderner Bildung und Anschauung verkündet! Dieses Zeichen, diese Standarte, es sei uns dieses nun seit sieben Jahre segensreich, kräftig und mit dem Beifall aller Gutgesinnten auf diesem Felde wirkende und strebende Blatt! Ein festes Anschließen an dasselbe zeugt von dem guten Geiste, von dem Willen nach wahrer, innerer Aufklärung und von Sinn für das Edle und Beste, der unsere Nation beseelt! Machen wir endlich entschieden Ernst mit einer wahrhaft sittlichen, überzeugungsvollen Einkehr in uns selbst und mit einer gesinnungsstarken, gerechten Stellung nach außen hin zu allen unseren Mitbrüdern, wes Glaubens sie seien. Nur so werden wir unseren wahren Frieden, unser wahres Glück zu finden vermögen. In diesem Sinne wenden wir uns nach beiden Seiten — nach innen wie nach außen, an Freund und Feind! Nur vollkommene unparteiische Betrachtung der Zustände, der allseitigen Verhältnisse kann Rettung und Heil bringen. Möge der Mendelssohn-Verein in Frankfurt a. M. stets wachsen und erstarken und mögen diesem Blatte im Interesse dieses Strebens nach Frieden