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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-01-01 · Heft 1 (1.1.1888) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (1.1.1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Wir genießen bei weitem noch nicht in Deutschland die Segnungen einer Emanzipation in jenem Maße, welches uns ein unverkümmertes, mit allen unfern Mitmenschen gleichberechtigtes Dasein gewährt! Wir sind noch auf die Verteidigung der zur Erfüllung unserer Lebensaufgabe notwendigsten Rechte angewiesen! Ueberall sind wir von Feinden umgeben, deren Schlachtruf sich unter der Autorität eines von einem egoistischen Zeitalter auf den Schild erhobenen Denkens verbirgt. Woher dieses stete Hervorbrechen unversöhnlichen Hasses, vernichtungdrohender Feindschaft, dieses stete Aufbrechen der vernarbten Wunde? „O, wie lange noch!" mögen wir mit dem Propheten ausrufen, den der Herr zu einem Volke mit verhärtetem Herzen, tauben Ohren, blinden Augen sandte. Wie lange noch soll das Judentum die Zielscheibe sein, an der alle Zeiten, alle Generationen ihren Witz, ihren Grimm, ihre Brutalität erprobe»? Woher die Unmasse des Leides, die stete Verfolgung für Israel? Ist es, weil Physik und Metaphysik, wie Schopenhauer sagt, die natürlichen Feinde der Religion sind und sie zu unterminiren suche»? Ist. es, weil Israel, wie auch neuerdings Du Bois Rehmond behauptet, infolge seiner Raceneigenschaften sich nicht der deutschen Nationalität anzuakkomodiren vermag? Wir haben auf alle diese Fragen nur eine Antwort, die mit unerschrockener Freimütigkeit und mit allem Mute der Ueberzeugung und des Bewußtseins der Wahrheit, mit lanter Stimme in den Blättern des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. stets erhoben wurde. Sieben Jahre haben dieselben für vernünftige, wissenschaftliche Entwicklung israelitischer Lehre und Religion, für harmonische Einfügung derselben in den Gesamtkreis menschlichen Wissens und Glaubens der Neuzeit, gekämpft und gewirkt! Wir sehen sie mit unerschütterlicher Ueberzeugung und mit erneutem Mute an unserer heiligen Aufgabe arbeitend, in das achte Jahr ihres Bestehens eintreten. Gegen die philosophischen, wie gegen die nationalen Bestrebungen der Neuzeit haben wir eine und dieselbe Antwort: „Das Judentum ist weder ein dogmatisirter Glaube, noch die zur Konservirung aller Gebräuche und Traditionen dienende Eigentümlichkeit einer bestimmten Nationalität oder Rasse — das Judentum ist Lehre, Wissenschaft! „Eine Lampe ist das Gebot, und die Lehre das Licht! Der Weg des Lebens ist die Unterweisung zur Sitte!" Die Lehre, die Wissenschaft, das ist das Licht des Judentums, zu der die Gebote, die Gesetze nur als Träger, als Unterlage dienen, woran aber auch alle anderen Nationen der Welt, ihre Lampen entzünden können und entzündet haben! Das Dasein Gottes tritt im Judentume als beseligende Lehre auf, als ein ewiger Vorwurf für unfern Verstand, um unser» ganzen Geist davon durchdringen zu lassen, damit wir die Heileswahrheit immer mehr begreifen und ihr immer näher kommen! „In der Annäherung zu Gott liegt mein Gut!" Wenn wir uns ganz von dieser Wahrheit, dieser Erkenntnis unserer Religion durchdrungen haben, so wird uns auch die Vereinbarung derselben mit Wissenschaft, mit allen neueren Entdeckungen der Philosophie klar. Unter die Rubrik der Lehre, d. h. des Judentums fällt jede neue, auf ernster Untersuchung und wissenschaftlicher Ergründung beruhende Form und Anschauungsweise des ewigen Urprinzipes, dessen Rätsel ja dem irdischen Blicke gänzlich zu lösen stets versagt bleiben wird, auch wenn er die höchsten Stufen der Philosophie erstiegen hat. Den Nationalitätsvorwürfen stellen wir entgegen: 1*

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