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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-01-01 · Heft 1 (1.1.1888) · p. Seite 2

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (1.1.1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Ringe die Planeten ablösen, so auch in der geistigen, - moralischen Welt Alles auf strenge Nothwendigkeit sich gründet und unser ganzes Leben in einer Reihenfolge von Akten unseres Willens besteht. Natürliche Wahl und Kampf ums Dasein ruft Alles hervor. Darwin und Schopenhauer ergänzen sich, der eine sucht die natürliche Entwicklung in der äußeren, der andere in der inneren Welt, im Menschen nachzuweisen, beide bilden im Bunde mit der schöngeistigen Weltbetrachtung Göthes ein System ans, tvelches man mit moderner Weltanschauung bezeichnet und von der die Religion als eine früheren Zeiten zwar angeinessene, heute aber veraltete, abgethane Einrichtung verworfen ivird. Schopenhauer ist nun so ehrlich, seiner Philosophie eine gänzlich von der Religion gesonderte Stellung anzuweiseu: „Der Glaube lehrt mehr, viel mehr als die Philosophie, jedoch nichts mit den Ergebnissen dieser Unvereinbares, >veil nämlich das Wissen aus einem härteren Stoffe ist, als der Glaube, so, daß wenn sie gegeneinander stoßen, dieser bricht. Jedenfalls sind Beide von Grund aus verschiedene Dinge, die zu ihrem beiderseitigen Wohle streng geschieden bleiben müssen, so daß jedes seinen Weg gehe, ohne vom andern auch nur Notiz zu nehmen." „Die Religion ist der Janus, oder besser der brahmanische Todesgott Iame, sie hat zwei Gesichter, ein freundliches und ein finsteres!" Die moralische Bedeutung des elenden, am besten gar nicht vorhandenen Erdenlebens findet Schopenhauer in dem Spruche des heiligen Upanischads: „Alle jene Naturen bin ich im Ganzen — und außer mir giebt es kein anderes Wesen!" Die blendende, durchsichtig klare, leicht verständliche und populäre Darstellungsweise machten Schopenhauers Philosophie den weitesten Kreisen zugänglich. Indem sie dem Zeitgeiste eine willkommene Begründung seiner egoistischen Anschauungen gab, eroberte sie sich im Sturme fast alle Gebiete des Lebens, so daß man nunmehr kaum einen Commis Voyageur trifft, der nicht mit höchst eleganten Phrasen aus „Schopenhauer" um sich zu werfen im Stande wäre. Das Göthe'sche Wort „Vernunft wird Unsinn, Wohlthat Plage! Weh' dir, daß du ein Enkel bist!" und seine Ansicht, daß die meisten Menschen sich selbst in ein Buch hiueinlesen, anstatt dasselbe auf ihren Geist richtig einwirken zu lassen, bewies sich auch an Schopenhauers System. Was der Meister mit emsiger wissenschaftlicher Arbeit und tiefem Nachdenken als Resultat seines Denkens errungen und nur auf die empirische Welt, streng gesondert von allem Uebersinnlichen, allem Religiösen, angewandt haben wollte, wurde von seinen leichtfertigen Schülern und Anhängern aus das Metaphysische angewandt, aus der Lehre, daß sich kein Gott beweisen lasse, gefolgert, daß es keinen Gott gebe, und daß dieses ganze Weltall ei», wie ein Uhrwerk, nach mechanischen Gesetzen ablaufendes Getriebe sei. Vor Allem ward der Haß Schopenhauers gegen das Judentum, welches er für den Ursprung des Theismus, der für ihn das größte Verderbnis der Welt ist, von seinen Anhängern auf die Juden übertragen und in allen Variationen ein philosophischer Krieg gegen sie eröffnet. Im Bunde mit den gleichzeitig auftretenden Nationalbestrebnugen in Deutschland trug dies nicht wenig dazu bei, den empfindsameren, gebildeteren unter den Inden' eine unerträgliche, Unbilden aller Art unterworfene Stellung in Deutschland zu bereiten. Wiederum taucht der totgeglaubte Antisemitismus hervor, wie der hundertköpfigen Hydra wachsen ihm immer neue Köpfe nach. So hat er sich gegenwärtig in Berlin unter dem Namen „Deutscher Reformverein" versteckt!

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