Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- Seite 287 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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287 Herr Löwy, der die im Mus6e judaique aufgestellten Teile des Mesa-Steins genau in Augenschein genommen hat, versichert, daß dieser selbst alle Spuren der Witterungseinflüsse, denen er mehr als ein Jahrtausend ausgesetzt war, zeige, währenddem die Inschrift durchwegs die Merkmale ueueren Gepräges an sich trage. Bei der Untersuchung der letzteren ergiebt es sich ihm nun, daß dieselbe schon iin Anfänge die Sarkophag-Inschrift des phönizischen Königs Eschmunazar nachahme, daß ferner das Wort Hadiboni (der Dibonite), welches deni Namen des Königs Mesa folgt, unrichtig abgeteilt und zugleich durch volle erst in späteren Zeit gebräuchlich gewordene Bezeichnung der Vokallaut hervorgehoben sei, um den Leser an Dibhan zu erinnern, in dessen Nähe sich der Stein befunden habe, was übrigens nach dem weiteren Inhalte der Inschrift, nach welcher der Stein bei Karcha aufgestellt wurde, gar nicht möglich sei. Herr L. zeigt noch an mehreren Beispielen, daß in der Inschrift Stellen Vorkommen, welche die Benutzung biblischer Redestücke und darunter eines Passus im Matthäus- Evangelium verraten. Er weißt ferner darauf hin, daß der moabitische Name Rath in der Inschrift zur Bildung eines angeblichen Substantivs rith verwendet wurde, ja daß sogar an einer Stelle ein offenbarer Germanismus oder Anglicismus vorliege (Zeile 15 bekoa ha-sehacharit „Morgenanbruch" oder „daybreak“). Es läßt sich nicht verhehlen, daß die Beweise, die Herr L. für seine Ansicht vorbringt, sehr ins Gewicht fallen und die Echtheit der Inschrift in hohem Maße in Frage stellen, wenn es auch noch immer nicht recht glaublich erscheint, daß ein Falsifikator mit solchem Geschicke einen im Ganzen sehr antik klingenden Text ausgedacht hat. — Herr Lmic) in Jerusalem hat den zweiten Jahrgang seines Jahrbuches „Jerusalem" veröffentlicht. Derselbe enthält im hebräischen Teile eine kurzgefaßte anschauliche Darstellung der Geschichte der Inden in Palästina vom Herausgeber, eine sehr eingehende Abhandlung über die Grenzen Palästinas und Syriens im Altertume von M. Friedmann, Mitteilungen über die Palästina-Reisen Montefiores und seine Wohlthätigkeitswerke im heiligen Lande, Beiträge aus Handschriften von Kaufmann und dem Herausgeber, archäologische Beiträge von Pines und Berichte über gegenwärtige Zustände in Palästina Aus dem deutschen Teile sind besonders die geographischen Abhandlungen von Oliphant, Schick und Merrill und ein Beitrag zur Geschichte der hebräischen Typographie in Palästina von Berliner hervorzuheben. Das mannigfache Belehrung und interessanten Wissensstoff darbietende Jahrbuch verdient die weiteste Verbreitung. Von Kalomo Plelj»crs nachgelassenen Schrifteil ist die vierte Lieferung, Predigten zum vierten Buche Mosis enthaltend, bei Ä. Kaufmann erschienen.. Ein warmer inniger Ton durchzieht diese gedankenvollen Vorträge, die auch da, wo der Verfasser den ihm eigentümlichen Standpunkt vertritt, durch die Redlichkeit der Gesinnung, die sich in ihnen kundgiebt, ansprechen. Die zahlreichen Anmerkungen bieten manche beachtenslverte Erläuterungen zu Bibel- und Midraschstellen und bekunden des Verfassers reich ausgebreitete Belesenheit in der jüdisch-theologischen Litteratur. — Herr Sfdul Namberger, cand. phil. in Aschaffenburg, hat sich durch die Herausgabe des zu dem Buche Rut gehörenden Teiles des bekannten Erklärungswerkes Lekach tob von Tobia b. Elieser, einem gelehrten Theologen des 11. Jahrhunderts, ein anerkennenswertes Verdienst erworben. HerrIB. hatZzu diesenl Zwecke die Texte von neun Handschriften mit einander verglichen, und die Quellen, aus denen der Verfasser geschöpft hat, in den Anmerkungen nachgewiesen. Die letzteren enthalten auch manche sonstige nützliche Erläuterungen von ihm und seinem Vater Simcha Bamberger. Das