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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-12-01 · Heft 12 (1.12.1887) · p. Seite 286

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 12 (1.12.1887)
Date
1887-12-01
Page
Seite 286 (sequence 22)
Language
German
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286 die Unsicherheit desselben, die mangelhafter Wiedergabe des Originals zuzuschreiben ist, hinderlich im Wege gestanden. Die Herren Rudolf Amen- und Albert Zolin haben nun zunächst sich darum bemüht, einen möglichst zuverlässigen Text dieser epigraphischen Urkunde herzustelleil (die Inschrift des Königs Mesa von Moab für akademische Vorlesungen, herausgegeben von Rudolf Smend und Albert Socin, Freiburg i. B. 1886, akademische Verlagsbuchhandlung von Z. C. B Mohr. 35 S. nebst einem getreuen Abdruck der die Inschrift enthaltenden Tafel). Auf Grundlage dieser an und für sich schon sehr dankenswerten Vorarbeit wird uns derselbe dann in hebräischer Transscription, dem eine deutsche Uebersetzung beigegeben ist, dargeboten. Durch die nachfolgenden paläographischen und philologischen Erläuterungen werden manche Dunkelheiten, die die Lesung dieses Schriftstückes erschweren, beseitigt. Müßte nun auch nach all dem noch mancher Passus in dieser Urkunde fraglich gelassen werden, so ist doch durch die Forschungen der genannten Gelehrten ein klareres Verständnis ihres Gesamtinhalts gewonnen worden. Das lexikalische Verzeichnis der in der Inschrift vorkommenden Wörter (S. 31—33) ist als ein wertvoller Beitrag für das hebräische Wörterbuch anzusehen. Wie die meisten Altertumsforscher, hat auch den Herren Smend und Socin die Echtheit der Mesa-Jnschrift als eine selbstverständliche Voraussetzung gegolten. Diese ist es nun, welche von Herrn Albert Lön») in einer Abhandlung »the apocriphal character of the Moabite stone“ (in der Zeitschrift »The seottish review“, April 1887, p. 215—245) auf das Entschiedenste bestritten wird. Er findet sowohl in der Entdeckungsgeschichte dieses moabitischen Denkmals als auch in der sprachlichen Darstellung, in welcher die Inschrift desselben uns vorliegt, manche Momente, die darauf schließen lassen, daß wir es hier mit dem Werke eines Fälschers zu thun haben. Seitdem der Herzog de Luhnes die sidonische Opfertafel für 400 Pfd. Sterl. angekauft hatte, bemerkt Herr L., wurde das Interesse vieler Leute in Palästina und zwar auch im ostjordanischen Gebiete darauf hiugelelenkt, sich aus der Feilbietung aufgefundener Altertümer ein Gewerbe zu machen. Besonders war es der berüchtigte Schapira, der angebliche moabitische Funde auf den Markt brachte. Die erste Nachricht über das Mesa- Denkmal gab der Missionär Klein in einem in der Pall Mall Gazette (19. April 1870) veröffentlichten Briefe vom 23. März 1870. In demselben erzählt er, daß sein orientalischer Freund Zattam ihn, als er sich mit ihm bei der ehemals moabitischen Ortschaft Dibhan befand, darauf aufmerksam machte, daß etwa zehn Minuten von ihrem Aufenthaltsorte sich „ein sehr interessanter Stein mit einer alten Inschrift, die bisher noch Niemand zu entziffern vermochte" befinde. Auch der Scheich des dort ansässigen Stammes der Beni-Hamideh bezeichnete Klein, der bei ihm durch Zattam eingeführt wurde, diesen Stein als eine wunderbare Sehenswürdigkeit, die noch kein Europäer zu Gesicht bekommen hat. Am 16. Januar 1870 berichtete Ganneau im Journal offiuiel über die Entdeckung des Steines, ohne etwas davon zu erwähnen, daß er von dessen Existenz zuerst durch Klein unterrichtet worden war. G. unterhandelte mit dem Scheich über die Erwerbung des Denkmals, von welchem er schließlich auch größere Bruchstücke und Abdrücke erwarb. Es ist jedoch nicht sicher, daß Herr G. den wirklichen Mesa- Stein erhielt. Die Beduinen, denen er für den Transport zu schwer erschien, sollen ein Feuer unter demselben angezündet und ihn dann mit Wasser ttbergossen haben, ivodurch er in Stücke zerfiel. Herrn Ganneau wurde ein altrömischer behauener Block, wie deren viele im alten Moab zerstreut umherliegen, überbracht, der von gewandten Fälschern mit einer Inschrift versehen wurde.

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