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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-12-01 · Heft 12 (1.12.1887) · p. Seite 288

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 12 (1.12.1887)
Date
1887-12-01
Page
Seite 288 (sequence 24)
Language
German
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288 Buch, dem noch eine Abhandlung über dessen Inhalt sich anschließen soll, ist im Verlage von I. Kauffmann erschienen. — Unter dem Titel „Religiöse Zeitfragen" veröffentlicht Herr Dr. L. flliinj, Rabbiner in Kempen, fünf dort gehaltene Predigten. Dieselben sind gut ausgearbeitet und reihen sich, was logischen Gedankengang, sinnige Anwendung von Bibel- und Midraschstellen und stylistische Darstellung anlangt, den besseren Erzeugnissen der jüdisch homiletischen Litteratur würdig an, doch möchten wir uns eine Bemerkung erlauben. Die S. 14 vorgetragene Ansicht, daß „ein Gottesdienst mit solch großartigen, künstlerischen schönen formen, begleitet von Orgelton und Frauengesang" das Gegenteil von Civilisation bewirke, will der Verfasser „uuerörtert lassen". Es ist recht Schade darum; den Genuß einer solchen Erörterung hätte er seinen Lesern nicht versagen sollen. Wir begreifen nur nicht, warum nach dieser Annahme „Ruhe, Ordnung, Ohr- und Geschmack nicht verletzende Gesang und Vortragsweise", die er sogar im Namen des Orach Chajim fordert, nicht dasselbe „Gegenteil" bewirken sollen, da ja dadurch auch nur auf Aeußerlichkeiten die Aufmerksamkeit hingelenkt wird und „eine Verflüchtigung der heiligsten Regungen unserer Seele in Spielwerk und Tändelei" stattfindet. Unsere Altvordern haben bekanntlich an Unruhe, Unordnung, Ohr- und Geschmack verletzender Gesang- und Vortragsweise nicht den geringsten Anstoß genommen und es ist noch kaum ein halbes Jahrhundert darüber hingegangen, seitdem die größten Koryphäen der Altorthodoxie Chorgesang und dergleichen moderne Einrichtungen auf das Entschiedenste verpönt haben. Wir werden doch nicht behaupten wollen, daß sie deßhalb weniger andächtig waren, als unsere Neu-Orthodoxen bei Chor, Taktstock, deutscher Predigt und sonstigem modernen Firlefanz? Auch eine S. 96, 97 ausgesprochene Ansicht können wir, da sie einmal der Oeffentlichkeit übergeben wurde, nicht ganz mit Stillschweigen übergehen. Der Verfasser sagt nämlich daselbst: „Kennet ihr den Geist des jüdischen Volkes? Der jüdische Volksgeist ist nichts Anderes als der Geist Gottes" ... „Darum ist dem israelitischen Volke seine Nationalität der Inbegriff des Höchsten und Heiligsten im Hiinmel und auf Erde: der Gottesgedanke und der nationale Gedanke ist in seiner Vorstellung eins." Der Verfasser wird uns zugebe», daß diese Darstellung den thatsächlichen Berhültnissen nicht entspricht; es wäre auch recht traurig, wenn das Gottesbewußtsein Israels, das unsere Anschauung über die nationale Schranke erheben soll, in solcher eitler Selbstverherrlichung aufgehen würde. Daraus, daß „der Herr und die Thora und Israel mit einander innig verbunden sind", wie der Sohar erklärt, kann allerdings gefolgert werde», daß „Israel ganz in der Gottesidee aufgehen soll", aber Behauptungen wie die obenerwähnten daran zu knüpfen, ist entschiede» unzulässig. — Der mit Recht beliebte israelitische Volkskalender von Äickob W. Paschtles für das Synagogenjahr 5648 (1887/88) ist erschienen. Die Beilage enthält einen in geschichtlicher Hinsicht recht lehrreichen Aufsatz über die Geschichte der Juden in Böhmen vom Regierungsantritt Kaiser Josefs II. bis zu unserer Zeit von Dr. M. Grünwald; „Prager Ghettogeschichteu" von Auerbach, eine Biographie des greisen russisch-jüdischen Gelehrten Samuel Finn, dessen Bildnis dem Titelblatte vorangeht, und Anekdoten. Inhalt: vr. Isidor Kalisch. — Aufschwung und Verfall. — Unsere Zustände. Von R. A. — Monatsschau. — Referate und Mitteilungen. — Beilage. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Or. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Bröuner's Dauckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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